Neue Studie zeigt: Migrationsstatus beeinflusst Diabeteskomplikationen und Sterberisiko

Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert kultursensible Versorgung und gezielte Prävention

Eine umfassende Metaanalyse mit Daten von 1,2 Millionen Migrantinnen und Migranten in Europa hat gezeigt, dass Menschen mit südasiatischen und afrikanischen Wurzeln häufiger an Typ-2-Diabetes erkranken als die europäische Mehrheitsbevölkerung – jedoch seltener an den schweren Herz-Kreislauf-Komplikationen versterben.

„Trotz höherer Diabetesprävalenz haben Personen mit eigener oder elterlicher Migrationsgeschichte ein um 28 Prozent geringeres Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle sowie ein um etwa 30 Prozent geringeres Sterberisiko als die europäische Durchschnittsbevölkerung“, erklärt Professorin Dr. Ina Danquah, Vorsitzende der AG Diabetes & Migration der DDG und Leiterin der Forschungsgruppe Klimawandel, Ernährung und Gesundheit am Heidelberger Institut für Global Health. Dies widerspricht bisherigen Studien, vor allem aus den USA, die durchgehend höhere Risiken beschrieben hatten.

Als mögliche Ursachen nennen die Autoren genetische Schutzfaktoren sowie geringere Prävalenzen von Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum oder Bluthochdruck bei Migrantinnen und Migranten aus Afrika und Asien. Darüber hinaus würden Ärzte diese Patientengruppe möglicherweise frühzeitiger mit antidiabetischen Medikamenten behandeln.

Anders ist die Lage bei mikrovaskulären Folgeerkrankungen wie diabetischer Nephropathie und Retinopathie: „Hier sind Patienten mit südasiatischer und afrikanischer Herkunft deutlich stärker betroffen“, warnt Dr. med. Alain Barakat, stellvertretender Vorsitzender der AG Diabetes & Migration. „Diese Komplikationen werden oft erst spät erkannt.“ Die KV Nordrhein weist beispielsweise darauf hin, dass nur bei rund 58 Prozent der Diabetespatienten eine Netzhautuntersuchung und bei knapp 86 Prozent eine Überprüfung der Nierenfunktion erfolgte.

Dr. Danquah betont die Bedeutung sozialer Determinanten: „Prekäre Lebensbedingungen, Sprachbarrieren und fehlendes Vertrauen können die Kontrolle der Erkrankung erschweren.“ Die DDG fordert daher eine Verbesserung der Versorgung mit leicht zugänglichen, sprachlich und kulturell angepassten Angeboten, einschließlich mobiler Sprechstunden und individueller Präventionsmaßnahmen.

Für die hausärztliche und diabetologische Praxis empfiehlt die Studie insbesondere eine konsequente Überwachung mikrovaskulärer Komplikationen mittels regelmäßiger Augenhintergrund- und Nierenfunktionstests sowie frühzeitiger nierenschützender Therapien.

Die DDG appelliert an die Politik, die Versorgung von Menschen mit Migrationsgeschichte gezielt zu fördern und Barrieren abzubauen, um gesundheitliche Chancengleichheit zu ermöglichen.