Universitätsmedizin Mainz 2024: Rekordumsatz über 1 Milliarde Euro – Defizit weiter reduziert, Zwei-Standort-Strategie wird intensiv geprüft

Bilanz zeigt wirtschaftliche Stabilisierung und strukturellen Wandel – Bau-Masterplanung rückt möglichen zweiten Standort in den Fokus

Die Universitätsmedizin Mainz (UM) hat im Jahr 2024 erstmals in ihrer Geschichte die Umsatzgrenze von einer Milliarde Euro überschritten. Der Gesamtumsatz belief sich auf rund 1,094 Milliarden Euro – ein historischer Höchstwert. Zugleich konnte das Jahresdefizit im Vergleich zu 2023 deutlich reduziert werden: Der Fehlbetrag liegt bei –96,7 Millionen Euro, was einer Verbesserung von fast 17 Millionen Euro entspricht.

Wirtschaftliche Entwicklung und positive Tendenzen
  • Geplantes Defizit unterschritten: Die ursprünglich erwarteten –106,7 Mio. € wurden um rund 10 Mio. € unterschritten.
  • Gründe für die Verbesserung: Höhere Erlöse bei stationären und ambulanten Leistungen, geringere Material- und Energiekosten.
  • Patientenzahlen: 61.900 stationäre Fälle (+1.000 gegenüber 2023), 341.000 ambulante Behandlungen (+23 %), davon ca. 145.000 in der Hochschulambulanz.
  • Ambulante Erlöse: 82,5 Mio. €
  • Personal: 9.058 Mitarbeitende, 6.193 Vollkräfte, Personalaufwand: 620 Mio. €
  • Forschung: 71,5 Mio. € eingeworbene Drittmittel, Beteiligung an 12 DFG-Sonderforschungsbereichen.
  • Case-Mix-Index: konstant bei 1,22

Dr. Waltraud Kreutz-Gers, Kaufmännischer Vorstand der UM, betonte, dass keine neuen Betriebsmittelkredite für 2025 nötig sein werden. Die durch das Land geplante Teilentschuldung im Doppelhaushalt 2025/26 werde zudem Verschuldung und Zinslast deutlich senken.

Transformationsprozess „Neustart@UM“ zeigt erste Wirkung

Unter dem Dach des Zukunftsprogramms „UM.Neustart“ wurden u.a. acht interdisziplinäre Departments gegründet, um Synergien zwischen verwandten Fachrichtungen zu heben und Ressourcen wie OP- und Bettenkapazitäten effizienter zu nutzen. Der medizinische Vorstand Univ.-Prof. Dr. Ralf Kiesslich betonte, dass die Transformation „zunehmend Wirkung zeigt“, auch wenn noch nicht alle Ziele erreicht seien.

Bau-Masterplanung: Prüfung eines zweiten Standorts

Die Universitätsmedizin prüft derzeit eine Zwei-Standort-Strategie, die neben dem bestehenden innerstädtischen Campus einen zweiten Standort oberhalb der Draiser Senke (ehemaliger Medienpark B146) vorsieht.

Vorteile laut UM-Vorstand:

  • Keine Einschränkungen im laufenden Klinikbetrieb während des Neubaus
  • Deutlich reduzierte logistische Herausforderungen
  • Möglichkeit, nach modernsten medizinischen und nachhaltigen Standards zu bauen
  • Entkopplung stationärer Versorgung vom ambulanten Bereich und der Forschung

Der Aufsichtsrat beauftragte den Vorstand, die baurechtlichen, logistischen und klimatischen Rahmenbedingungen für die Draiser Senke weiter zu klären. Die finale Entscheidung liegt beim Stadtrat der Landeshauptstadt Mainz.

Ausblick: „Schwarze Null“ bis 2030 im Visier

Die Universitätsmedizin Mainz verfolgt das Ziel, ihr Defizit bis spätestens 2030 vollständig abzubauen. Für das Jahr 2025 wird bereits mit einer weiteren Reduktion gerechnet. Wissenschaftsminister Clemens Hoch lobte die Fortschritte in wirtschaftlicher wie baulicher Hinsicht und betonte die „großen Fortschritte in einem Marathon“, den man nun gemeinsam weiterlaufen müsse.