Stadtklinik Frankenthal: Stadtrat warnt vor massivem Leistungsabbau

Stadtrat fordert Erhalt der wohnortnahen Versorgung und Klarheit über geplante Regioklinik

Der Frankenthaler Stadtrat stellt sich fraktionsübergreifend hinter die Stadtklinik und fordert vom Land Rheinland-Pfalz eine verlässliche Perspektive für den Standort. Mit einer Resolution reagiert die Stadt auf die angekündigte Empfehlung, die Klinik perspektivisch zu einer sogenannten Regioklinik weiterzuentwickeln. Befürchtet werden Einschränkungen des bisherigen Versorgungsauftrags.

Der Stadtrat von Frankenthal hat gemeinsam mit dem Krankenhausausschuss die „Frankenthaler Resolution – Für eine starke Stadtklinik und eine verlässliche wohnortnahe medizinische Versorgung“ verabschiedet. Die Resolution soll der Landesregierung, dem Gesundheitsministerium sowie den Landtagsfraktionen und den zuständigen Abgeordneten übermittelt werden.

Hintergrund sind die anstehenden Entscheidungen zur Krankenhausplanung in Rheinland-Pfalz. Nach dem derzeitigen Planungsstand sollen der Stadtklinik Leistungsgruppen zugewiesen werden, die nach Angaben der Stadt rund 95 Prozent der Fälle der dahinterstehenden Leistungsgruppen abbilden. Dies wertet die Kommune zunächst als positives Signal.

Gleichzeitig hat das Gesundheitsministerium angekündigt, am 1. September 2026 eine perspektivische Entwicklung der Stadtklinik zu einer sogenannten Regioklinik zu empfehlen. Welche konkreten Folgen dieses Modell für das medizinische Leistungsspektrum und den Versorgungsauftrag haben würde, ist nach Angaben der Stadt bislang in wesentlichen Punkten offen.

Oberbürgermeister und Krankenhausdezernent Dr. Nicolas Meyer fordert deshalb Klarheit vom Land. Eine organisatorische Neuausrichtung dürfe nicht dazu führen, dass tatsächlich medizinische Versorgung am Standort verloren gehe.

Die Stadt verweist insbesondere auf die Bedeutung der Stadtklinik für die Notfallversorgung. Im Jahr 2024 wurden in der Zentralen Notaufnahme 21.918 Patienten behandelt – durchschnittlich rund 60 pro Tag. Das von der Stadtklinik getragene Notarztsystem absolvierte weitere 1.755 Einsätze und versorgt neben Frankenthal 14 Umlandgemeinden.

Bei einer Neuordnung der Krankenhausstrukturen müsse deshalb die gesamte Versorgungskette berücksichtigt werden. Zusätzliche Fahrzeiten könnten gerade bei zeitkritischen Erkrankungen wie einem Schlaganfall relevant werden. Entscheidend sei nicht allein die Entfernung zum nächsten Krankenhaus, sondern die Erreichbarkeit eines Standorts, der die tatsächlich benötigte medizinische Leistung anbieten könne.

Der Stadtrat stellt sich dabei nach eigenen Angaben nicht grundsätzlich gegen eine Weiterentwicklung der Krankenhauslandschaft. Spezialisierung, medizinische Qualität, wirtschaftliche Tragfähigkeit, Ambulantisierung und Kooperationen werden ausdrücklich als notwendige Bestandteile künftiger Versorgungsstrukturen anerkannt. Die Versorgung der Bevölkerung müsse jedoch Ausgangspunkt der Planung bleiben.

Stadt verweist auf Millioneninvestitionen in den Klinikstandort

Besondere Bedeutung misst Frankenthal den bereits getätigten Investitionen bei. Erst im März 2026 wurde ein Erweiterungsbau mit einem Investitionsvolumen von mehr als 51 Millionen Euro eröffnet. Davon entfielen mehr als 36 Millionen Euro auf Landesfördermittel. Der Neubau umfasst 111 stationäre Betten und 20 tagesklinische Plätze.

Darüber hinaus wurden unter anderem die Zentrale Notaufnahme, der OP-Bereich, die Intensivstation und die Zentralapotheke weiterentwickelt. Vor diesem Hintergrund fordert die Stadt eine nachvollziehbare Perspektive, wie die bisherigen Investitionen mit der langfristigen Krankenhausplanung des Landes zusammenpassen.

Von den weiteren Entscheidungen sind auch rund 790 Beschäftigte der Stadtklinik betroffen. Nach Veröffentlichung der konkreten Leistungsgruppenzuweisungen am 1. September will die Klinik deren Auswirkungen auf medizinische, personelle und organisatorische Strukturen detailliert prüfen.

Oberbürgermeister Meyer kündigte an, die Vorschläge des Landes kritisch zu begleiten. Ziel sei nicht, Veränderungen grundsätzlich zu verhindern, sondern ein Versorgungsmodell zu erreichen, das den tatsächlichen medizinischen Bedarf in Frankenthal und der umliegenden Region berücksichtigt.