Krankenhaus Norderney vor kommunaler Übernahme
Stadt plane Übergang zum 1. September und beauftragt Zukunftskonzept für Krankenhaus und MVZ
Die Stadt Norderney habe bei der geplanten Übernahme des insolventen Krankenhauses einen entscheidenden Schritt erreicht. Nach Angaben der Stadtverwaltung soll am 2. Juli 2026 die notarielle Beurkundung der wesentlichen Vertragswerke erfolgen. Der Übergang des Krankenhauses auf die kommunale Trägergesellschaft ist derzeit für den 1. September 2026 vorgesehen.
Wie die Stadt mitteilte, sollen im Rahmen eines sogenannten Asset-Deals die wesentlichen Vermögensgegenstände der insolventen Klinik einschließlich des Krankenhausgrundstücks an der Lippestraße übernommen werden. Ziel ist es, den Krankenhausbetrieb dauerhaft zu sichern, sämtliche Arbeitsplätze zu erhalten und die stationäre Versorgung auf der Insel ohne Unterbrechung fortzuführen.
Für die Übernahme wurde bereits im Februar 2026 die Inselkrankenhaus Norderney GmbH gegründet. Die Gesellschaft befindet sich zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt Norderney und ist inzwischen im Handelsregister eingetragen. Zum Geschäftsführer wurde Uwe Peters bestellt, der bislang die insolvente Allergie- und Hautklinik leitete und damit die operative Kontinuität sicherstellen soll.
Nach Angaben der Stadt handelt es sich um ein rechtlich und organisatorisch besonders komplexes Verfahren. Insolvenzrechtliche, gesellschaftsrechtliche und medizinrechtliche Fragestellungen mussten parallel bearbeitet werden. In den vergangenen Monaten wurden die wesentlichen Inhalte des Unternehmenskaufvertrags sowie Vereinbarungen mit der Zusatzversorgungskasse der Krankenhausbeschäftigten verhandelt und abgestimmt. Die Gesellschafterversammlung der Inselkrankenhaus Norderney GmbH hat den Vertragswerken bereits zugestimmt.
Bis zum endgültigen Vollzug der Übernahme sind jedoch weitere Genehmigungen erforderlich. So müssen unter anderem die bisherige Krankenhauszulassung der Allergie- und Hautklinik aufgehoben und eine neue Zulassung für die kommunale Trägergesellschaft durch das Land Niedersachsen erteilt werden. Da mehrere Verfahrensschritte in die Sommerferienzeit fallen, schließt die Stadt zeitliche Verzögerungen nicht vollständig aus.
Um die medizinische Versorgung bis zum Eigentumsübergang sicherzustellen, hat der Verwaltungsausschuss zudem einer weiteren Überbrückungsfinanzierung zugestimmt. Damit soll der Krankenhausbetrieb während der laufenden Insolvenzphase uneingeschränkt fortgeführt werden.
Parallel zur Übernahme arbeitet die Stadt bereits an der strategischen Weiterentwicklung des Standorts. Nach Abschluss eines Vergabeverfahrens wurde die Vicondo GmbH mit der Erstellung eines integrierten Zukunfts- und Betriebskonzeptes für Krankenhaus und Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) beauftragt.
Das Beratungsunternehmen soll zunächst die medizinischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Strukturen analysieren. Anschließend ist die Entwicklung eines langfristigen Versorgungskonzeptes vorgesehen. Dazu gehören unter anderem die Prüfung zusätzlicher medizinischer Leistungsangebote, die Entwicklung eines integrierten ambulant-stationären Versorgungsmodells, die Bewertung von Kooperationsmöglichkeiten sowie die Ermittlung künftiger Investitions- und Flächenbedarfe.




