Klinikum Lüneburg führt Crew Resource Management ein
CRM soll Kommunikation, Teamarbeit und Patientensicherheit stärken
Das Klinikum Lüneburg führt mit dem Crew Resource Management (CRM) ein aus der Luftfahrt stammendes Trainings- und Arbeitskonzept zur Verbesserung der Patientensicherheit ein. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird von der Techniker Krankenkasse gefördert und zunächst in der Zentralen Notaufnahme umgesetzt.
Crew Resource Management soll Teams dabei unterstützen, auch unter hohem Zeitdruck und bei wechselnden personellen Konstellationen sicher zu kommunizieren und Entscheidungen zu treffen. Im Mittelpunkt stehen Rollenverteilung, strukturierte Abläufe, gegenseitige Unterstützung und der Umgang mit menschlichen Faktoren.
Das Konzept wurde ursprünglich für die Luftfahrt entwickelt und wird inzwischen auch in medizinischen Hochrisikobereichen eingesetzt. Am Klinikum Lüneburg ist Dr. med. Marcus Rall, CRM-Experte und Leiter des Instituts für Patientensicherheit & Teamtraining (InPASS), als Projektpartner beteiligt.
Pflegedirektor Patrick Evel sieht in dem Ansatz zunächst einen konkreten Nutzen für die Beschäftigten. Klare Abläufe und eine professionelle Kommunikation könnten die Mitarbeitenden insbesondere in belastenden Situationen entlasten und ihre Resilienz stärken.
Start in der Zentralen Notaufnahme
Den Auftakt bildet die Zentrale Notaufnahme. Dort treffen häufig unterschiedliche Berufsgruppen und wechselnde Teams aufeinander. Gerade im Schockraum müssen Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen und Informationen schnell weitergegeben werden.
Der neue Chefarzt der Notaufnahme, Nomayy Oweidi, verweist auf die besonderen Anforderungen dieses Umfelds. CRM soll den beteiligten Berufsgruppen ein gemeinsames Vorgehen vermitteln und damit dazu beitragen, Abläufe auch unter schwierigen Bedingungen sicherer und effizienter zu gestalten.
Während der dreijährigen Projektphase sollen interprofessionelle Teams geschult werden. Dazu gehören Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Medizinische Fachangestellte und weitere an der Patientenversorgung beteiligte Berufsgruppen.
Menschliche Faktoren als Sicherheitsfaktor
Ein Schwerpunkt liegt auf sogenannten Human Factors. Dazu zählen unter anderem Kommunikation, Entscheidungsfindung, Rollenklärung und gegenseitige Unterstützung. Das Klinikum knüpft damit an ein bereits bestehendes Schlaganfall-Team-Training an.
Initiatorin des CRM-Projekts ist Prof. Waltraud Pfeilschifter, Chefärztin der Neurologie. Sie hat den Ansatz des Teamtrainings bereits in die neurologische Versorgung am Klinikum eingebracht.
Aus ihrer Sicht lassen sich Fehler im komplexen klinischen Alltag nicht vollständig vermeiden. Entscheidend sei vielmehr, Risiken frühzeitig zu erkennen und Fehler abzufangen, bevor sie die Patientenversorgung erreichen. CRM setze deshalb auf mehreren Ebenen der Teamarbeit an.
CRM soll Teil der Qualitätsarbeit werden
Das Klinikum Lüneburg will das Konzept nicht auf einzelne Schulungen beschränken. Nach Abschluss beziehungsweise während der dreijährigen Projektphase soll CRM dauerhaft in Fortbildung, Einarbeitung und Qualitätsmanagement integriert werden.
Damit wird Patientensicherheit als Organisationsaufgabe verstanden, die über die individuelle Qualifikation einzelner Beschäftigter hinausgeht. Gerade in Notaufnahmen und anderen Bereichen mit hoher Arbeitsdichte können standardisierte Kommunikations- und Teamstrukturen dazu beitragen, Informationsverluste und Fehlentscheidungen zu reduzieren.




