Kliniken im Wandel: Rechbergklinik Bretten und Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal vor wirtschaftlicher und struktureller Neuaufstellung
RKH-Geschäftsführer Dr. Marc Nickel stellt Konsolidierungsstrategie vor – Finanzierungslücke und Reformdruck belasten Klinikbetrieb
Die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Krankenhäuser macht auch vor den Kliniken des Landkreises Karlsruhe nicht Halt. Im Fokus der Kreistagssitzung am 17. Juli 2025 standen die Rechbergklinik Bretten und die Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal, die Teil der RKH Regionale Kliniken Holding und Services GmbH sind. Neben einem Einblick in die finanzielle Lage der Häuser markierte die Sitzung auch den ersten öffentlichen Auftritt des neuen medizinischen RKH-Geschäftsführers Dr. Marc Nickel.
Seit Oktober 2024 im Amt, nutzte Dr. Nickel die Gelegenheit, um die drängenden Herausforderungen der kommenden Jahre anzusprechen. Im Zentrum stehe ein klarer Konsolidierungskurs, mit dem Ziel, die medizinische Versorgung an den Standorten Bruchsal und Bretten auch unter schwierigen Rahmenbedingungen zu sichern.
Deutliche Verschlechterung der Finanzlage
Wie die Verwaltung berichtete, schloss die RKH-Holding das Geschäftsjahr 2024 mit einem Fehlbetrag von rund 283.000 Euro ab. Besonders kritisch fällt jedoch der Jahresabschluss der Kliniken des Landkreises Karlsruhe (KLK) aus: Mit einem Minus von 6,7 Millionen Euro wurde erstmals seit Jahren ein negatives Ergebnis verzeichnet – im Vorjahr war noch ein Überschuss von 1,2 Millionen Euro möglich.
Die Ursachen sieht die Klinikleitung in einem strukturell defizitären Vergütungssystem. Zwar stieg die Zahl der stationären Fälle auf 21.100 leicht an, jedoch ging die durchschnittliche Fallschwere – insbesondere am Standort Bruchsal – zurück. Ein Anstieg ambulanter Behandlungen auf 56.500 Fälle (+3.000 im Vergleich zum Vorjahr) konnte den wirtschaftlichen Trend nicht aufhalten. Insbesondere gestiegene Personalkosten belasteten die Bilanz.
Landrat Schnaudigel fordert strukturelle Anpassungen
„Die Kliniken müssen seit Jahren mit immer neuen Reformen und gesetzlichen Vorgaben umgehen. Die wirtschaftliche Situation wird gleichzeitig immer bedrückender, auch wenn die beiden Landkreiskliniken bislang finanziell noch solide dastehen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine hervorragende Arbeit leisten“, sagte Landrat Dr. Christoph Schnaudigel in der Kreistagssitzung.
Er betonte die Notwendigkeit, die Führungsstrukturen der Klinikbetriebe weiterzuentwickeln, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden: „Langfristig fordert die Lage aber, dass sich die Kliniken in ihrer Führungsstruktur anpassen, um alle Aufgaben mit ausreichend Ressourcen und Fachwissen zu lösen.“
RKH verfolgt Konsolidierungsstrategie
Unabhängig von möglichen Unterstützungsleistungen des Bundes – der Bundesrat hat die Bundesregierung kürzlich zu einem Zuschlag für Kliniken aufgefordert – hat die RKH-Holding ein eigenes Konsolidierungsprogramm aufgelegt. Es umfasst kurzfristige Einsparmaßnahmen ebenso wie eine abgestimmte Unternehmensstrategie und eine modernisierte Führungsstruktur.
Ein zentraler Bestandteil bleibt dabei die Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung. Der Landkreis Karlsruhe hat dazu im Jahr 2024 rund 5,6 Millionen Euro für Zins- und Tilgungszahlungen geleistet. Für 2025 wird eine Finanzierungslücke von rund 1 Million Euro prognostiziert. Weitere direkte Zuschüsse des Landkreises wurden angesichts der angespannten Haushaltslage jedoch bereits ausgeschlossen.
Hoffnung durch Landesmittel und Basisfallwertanpassung
Erleichterung bringt die vom Land Baden-Württemberg angekündigte Aufstockung der Krankenhausförderung. Für die Jahre 2025 und 2026 stehen im Rahmen des Doppelhaushalts rund 1,065 Milliarden Euro für Investitionen zur Verfügung. Hinzu kommen 300 Millionen Euro aus einem Sofortprogramm. Zudem wird der Landesbasisfallwert 2025 um vier Prozent erhöht – eine langjährige Forderung der Krankenhäuser und Kommunen. Sollte das Geschäftsjahr 2025 planmäßig verlaufen, könnte sich diese Maßnahme positiv auf das geplante Defizit von 3,9 Millionen Euro auswirken.
Gesellschaftsvertrag modernisiert
Der Kreistag stimmte zudem der Neufassung des Gesellschaftsvertrags der Kliniken des Landkreises zu. Die Überarbeitung ist Teil einer Harmonisierung aller Klinikgesellschaften innerhalb der RKH-Holding und legt unter anderem Zuständigkeiten des Aufsichtsrats neu fest. Auch Kooperationen zwischen Gesellschaftern werden nun explizit ermöglicht.




