Jüdisches Krankenhaus Berlin leitet Restrukturierung im Insolvenzverfahren ein
Patientenbetrieb läuft weiter, Mitarbeitende und Versorgung bleiben gesichert
Das Jüdische Krankenhaus Berlin (JKB) hat am 4. Dezember 2025 die Einleitung eines vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens beantragt. Ziel ist es, die Klinik zukunftsfähig aufzustellen, die medizinische Versorgung langfristig zu sichern und die Arbeitsplätze der rund 820 Mitarbeitenden zu schützen.
Vorstandsvorsitzende Brit Ismer begründete den Schritt mit der angespannten Finanzlage, die unter anderem auf die strukturellen Veränderungen durch die Krankenhausreform, allgemeine Kostensteigerungen und ausstehende Investitionen in Gebäude und IT zurückzuführen sei. Auch ein Wasserschaden im Neubau belastet das Krankenhaus zusätzlich. Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Jessica Maaß betonte, dass das Eigenverwaltungsverfahren die Möglichkeit biete, die Restrukturierungsziele aktiv und eigenverantwortlich umzusetzen.
Der Patientenbetrieb des JKB läuft während des Verfahrens regulär weiter, einschließlich Notfallversorgung. Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden sind im Rahmen des Verfahrens rechtlich gesichert. Das MVZ Medizin der Mitte bleibt bisher vom Verfahren unberührt und betreut ambulante Patientinnen und Patienten weiterhin wie gewohnt. Die Servicegesellschaft des Hauses wird sich in Kürze dem Verfahren anschließen.
Die Berliner Krankenhausplanungsbehörde begleitet den Prozess konstruktiv. Positive Signale zu beantragten Leistungsgruppen sowie die Genehmigung zusätzlicher Kapazitäten im psychiatrischen Bereich unterstreichen die regionale Bedeutung der Klinik. Gleichzeitig werden Gespräche mit potenziellen Partnern aus gemeinnützigen, öffentlichen und privaten Sektoren fortgesetzt, um einen Träger zu finden, der die medizinische Qualität, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten sowie die gemeinnützige Ausrichtung und die jüdische Tradition des Hauses langfristig sichert.
Rechtsanwältin Dorit Aurich (ECKERT Rechtsanwälte), die das Verfahren beratend begleitet, hob das hohe Engagement der Mitarbeitenden und die bestehende Versorgungsqualität als wichtige Ausgangspunkte hervor. Sanierungsexperte Lars Knipper ergänzte, dass das Eigenverwaltungsverfahren dem JKB eine „Brücke“ biete, um notwendige Veränderungen eigenverantwortlich umzusetzen und die Versorgungsstruktur für die Zukunft zu sichern.
Über das Jüdische Krankenhaus Berlin:
Das JKB ist ein modernes Notfallkrankenhaus mit 384 Betten und einem umfassenden Leistungsspektrum, darunter Innere Medizin, Kardiologie, Orthopädie, Chirurgie, Anästhesie, Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie. Das Haus ist nach DIN EN:ISO zertifiziert und verfügt über spezialisierte Zentren wie das interdisziplinäre Gefäßzentrum, Stroke Unit, Cardiac Arrest Center und Endoprothetikzentrum.






