Gesundheitszentrum Bitterfeld-Wolfen erhält 3,3 Mio. Euro – 80 Stellen gefährdet
Landkreis wendet drohende Überschuldung vorerst ab – Wirtschaftsprüfer empfehlen Personalabbau und Gehaltsverzicht
Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld stellt dem kommunalen Gesundheitszentrum Bitterfeld-Wolfen weitere 3,3 Millionen Euro zur Verfügung. Ein eigens einberufener Sonderkreistag stimmte am 15. Oktober 2026 mehrheitlich für die zusätzliche Unterstützung und wendete damit eine drohende Überschuldung zunächst ab. Die wirtschaftliche Lage des Goitzsche-Klinikums bleibt jedoch angespannt: Für das laufende Jahr wird ein Defizit von mehr als sieben Millionen Euro erwartet. Gleichzeitig stehen weitreichende Einschnitte beim Personal zur Diskussion.
Bereits zuvor hatte der Landkreis seine Zuschüsse für 2026 auf 4,5 Millionen Euro erhöht. Mit der erneuten Finanzhilfe steigt die vorgesehene Unterstützung auf insgesamt 7,8 Millionen Euro. Hintergrund sind insbesondere rückläufige Behandlungszahlen, durch die die Erlöse deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. Die zusätzlichen Mittel verschaffen dem Krankenhaus vorerst finanziellen Spielraum, lösen die strukturellen Probleme aber nicht.
Wirtschaftsprüfer empfehlen Abbau von bis zu 80 Stellen
Im Mittelpunkt der weiteren Sanierungsüberlegungen stehen erhebliche Veränderungen bei den Personalkosten. Nach Informationen des MDR sehen beauftragte Wirtschaftsprüfer strukturelle Defizite im Betrieb und empfehlen, 75 bis 80 Vollzeitstellen abzubauen. Darüber hinaus wird ein Gehaltsverzicht von zehn Prozent diskutiert.
Das Gesundheitszentrum beschäftigt nach aktueller Berichterstattung rund 900 Menschen. In welchem Umfang die vorgeschlagenen Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden sollen, ist bislang offen. Weder ein verbindlicher Stellenabbau noch entsprechende Gehaltskürzungen sind mit dem Kreistagsbeschluss bereits beschlossen worden.
Die erneute Unterstützung folgt auf mehrere Beratungen über die Zukunft des kommunalen Klinikbetriebs. Bereits Anfang Oktober hatte Landrat Andy Grabner nach einer mehrstündigen Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung angekündigt, sich mit einem Brandbrief an die Bundesregierung zu wenden. Er kritisierte insbesondere die wirtschaftlichen Belastungen während der Übergangsphase der Krankenhausreform. (1)
Die finanzielle Verantwortung des Landkreises ist zusätzlich gewachsen, nachdem dieser Anfang 2026 auch die zuvor von Helios betriebene Klinik in Zerbst übernommen hatte. Damit trägt Anhalt-Bitterfeld inzwischen Verantwortung für zwei Krankenhausstandorte, deren langfristige Finanzierung und medizinische Ausrichtung gesichert werden müssen.
Der Beschluss vom 15. Oktober verhindert zunächst eine weitere Zuspitzung der wirtschaftlichen Krise in Bitterfeld-Wolfen. Die kommenden Entscheidungen dürften sich jedoch vor allem auf die strukturelle Sanierung, die Entwicklung der Fallzahlen und die Personalkosten konzentrieren.




