Sachsen prüft in Südkorea digitale Klinikmodelle

Gesundheitsministerin Köpping reist mit Klinik- und Pflegevertretern nach Seoul

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping reist vom 16. bis 21. August 2026 mit Vertretern von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Verbänden und Politik nach Südkorea. Im Mittelpunkt der Reise stehen digitale Gesundheitsversorgung, Smart Hospitals, Robotik, Künstliche Intelligenz und die Frage, welche innovativen Versorgungsmodelle auf Sachsen übertragen werden können.

Südkorea zählt zu den technologisch fortschrittlichen Gesundheitsmärkten Asiens. Eine schnell alternde Bevölkerung, der hohe Digitalisierungsgrad und umfangreiche Investitionen des Staates haben dort die Entwicklung digitaler Versorgungsmodelle beschleunigt.

Anlass der Reise ist unter anderem die Fachmesse „K-Hospital + Healthtech Fair“ (KHF) in Seoul. Thematisch reicht das Spektrum von Gesundheitspolitik und medizinischer Informatik über Smart Hospitals und digitale Pathologie bis hin zu physischer Künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit.

Für Sachsen ist die Entwicklung vor allem vor dem Hintergrund des demografischen Wandels relevant. Der steigende Anteil älterer Menschen trifft auch im Freistaat auf einen anhaltenden Fachkräftemangel. Digitale Technologien könnten nach Einschätzung der Landesregierung dazu beitragen, Beschäftigte zu entlasten und gleichzeitig die Versorgung effizienter zu organisieren.

Kliniken zeigen Einsatz von Robotik und Kontrollzentren

Auf dem Reiseprogramm stehen mehrere Einrichtungen, die digitale Technologien bereits umfangreich in den klinischen Alltag integriert haben. Dazu gehört das Hallym University Sacred Heart Hospital. Dort kommt seit 2019 ein digitales Kontrollzentrum zur Überwachung von Patienten zum Einsatz.

Nach Angaben des sächsischen Sozialministeriums verfügt das Krankenhaus zudem über 77 Serviceroboter. Diese übernehmen Aufgaben unter anderem in Logistik, Desinfektion und Pflege und sollen dadurch das medizinische und pflegerische Personal entlasten.

Ebenfalls besucht wird das Samsung Medical Center, das als Beispiel für ein „Smart Hospital“ gilt. Dort werden unter anderem papierlose Prozesse, automatisierte Logistik und robotergestützte Abläufe eingesetzt. Für das Klinikmanagement sind insbesondere diese organisatorischen Anwendungen interessant, da sie nicht unmittelbar die medizinische Entscheidung ersetzen, sondern Prozesse effizienter gestalten sollen.

Transfer nach Sachsen steht im Mittelpunkt

Köpping will die Reise ausdrücklich nutzen, um mögliche Übertragungsmöglichkeiten auf das sächsische Gesundheitswesen zu prüfen. Im Fokus stehen dabei digitale Lösungen für Prävention, Diagnostik, Behandlung und Management.

Neben Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sind Gespräche mit Verbänden und Institutionen wie der Korean Hospital Association sowie mit Unternehmen aus dem Bereich der Gesundheitstechnologie vorgesehen. Die sächsische Delegation soll dadurch auch Kontakte für künftige Projekte und Geschäftsbeziehungen knüpfen.

Für den Freistaat geht es damit nicht ausschließlich um einen Technologietransfer. Entscheidend wird sein, ob die südkoreanischen Lösungen unter den rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Bedingungen des deutschen Gesundheitswesens tatsächlich eingesetzt werden können.

Digitalisierung als Antwort auf Demografie und Fachkräftemangel

Die Reise verbindet damit zwei zentrale Herausforderungen der sächsischen Gesundheitsversorgung: die Alterung der Bevölkerung und den Mangel an Fachkräften. Automatisierte Logistik, digitale Überwachung und intelligente Krankenhaussteuerung könnten insbesondere bei personalintensiven Prozessen Entlastung schaffen.

Gleichzeitig bleibt die Einführung solcher Technologien mit Investitions-, Datenschutz- und Integrationsfragen verbunden. Für Krankenhäuser stellt sich deshalb nicht nur die Frage, welche Technologie technisch verfügbar ist, sondern welchen konkreten Nutzen sie für Patientenversorgung, Personal und Wirtschaftlichkeit bringt.