Hessen: Krankenhäuser rechnen mit weiteren Erlöseinbußen trotz laufender Krankenhausreform
GZO sieht Risiken für Versorgung, Notaufnahmen und Krankenhausfinanzierung
Die hessischen Krankenhäuser warnen vor den Folgen des geplanten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes der Bundesregierung. Auch das Gesundheitszentrum Odenwaldkreis (GZO) sieht erhebliche Risiken für die wirtschaftliche Stabilität der Kliniken und die Patientenversorgung. Nach Einschätzung der Krankenhäuser könnten die vorgesehenen Einsparungen die Umsetzung der Krankenhausreform zusätzlich erschweren.
Mit dem vom Bundeskabinett am 29. April 2026 beschlossenen GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz verfolgt die Bundesregierung das Ziel, den Anstieg der Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zu begrenzen. Krankenhausvertreter befürchten jedoch, dass die hierfür vorgesehenen Einsparungen die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage vieler Kliniken weiter verschärfen werden.
Krankenhäuser sehen Versorgung in Gefahr
Nach Angaben der Krankenhäuser drohen die vorgesehenen Kürzungen insbesondere die flächendeckende Versorgung sowie die Notfallversorgung zu belasten. Gleichzeitig müssten die Einrichtungen zusätzliche Anforderungen erfüllen, etwa bei Krisenvorsorge, Cybersicherheit und Versorgungssicherheit.
Besonders kritisch bewertet das GZO die wirtschaftliche Situation der Notaufnahmen. Nach Angaben des Krankenhauses verursacht jede ambulante Behandlung in der Notaufnahme derzeit durchschnittlich ein Defizit von mehr als 100 Euro. Damit werde bereits heute ein wesentlicher Bestandteil der Daseinsvorsorge nicht kostendeckend finanziert.
Die Krankenhausvertreter verweisen zudem auf steigende Anforderungen im Bereich der Krisenresilienz. Angesichts wachsender Bedrohungen durch Cyberangriffe und hybride Gefahrenlagen seien erhebliche Investitionen erforderlich. Bundesweit werden hierfür zusätzliche Milliardenbeträge als notwendig angesehen.
Zusätzliche Aufgaben bei sinkenden Erlösen
Kritik richtet sich vornehmlich gegen die aus Sicht der Krankenhäuser widersprüchliche Entwicklung, dass Kliniken im Rahmen der Krankenhausreform neue Aufgaben übernehmen sollen, gleichzeitig aber finanzielle Mittel entzogen würden. Als Beispiel nennen die Krankenhäuser die geplanten Integrierten Notfallzentren (INZ), die künftig eine stärkere Rolle in der ambulanten Notfallversorgung übernehmen sollen.
GZO-Geschäftsführerin Abir Giacaman warnt davor, dass die wirtschaftlichen Belastungen insbesondere kleinere und ländliche Krankenhäuser treffen könnten. Gerade in Regionen mit ohnehin begrenzten Versorgungsstrukturen könnten zusätzliche Einsparungen die Sicherstellung der Regelversorgung erschweren.
Nach Angaben der Krankenhausseite sollen den Krankenhäusern bundesweit bereits im kommenden Jahr rund fünf Milliarden Euro entzogen werden. Bis zum Jahr 2030 könnten sich die Einschnitte demnach auf etwa 30 Milliarden Euro summieren.
Fachkräftesicherung unter Druck
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Finanzierung von Tarifsteigerungen. Die Krankenhäuser sehen die Gewinnung und Bindung von Fachkräften als zentrale Voraussetzung für eine stabile Versorgung. Gleichzeitig erschwere die aus ihrer Sicht unzureichende Refinanzierung steigender Personalkosten Investitionen in Personalentwicklung und Mitarbeiterbindung.
Vor diesem Hintergrund appellieren die Krankenhäuser an die hessischen Bundestagsabgeordneten, sich im weiteren Gesetzgebungsverfahren für Änderungen einzusetzen. Ziel müsse es sein, die wirtschaftliche Stabilität der Kliniken zu sichern und Versorgungslücken zu vermeiden.
Die Stellungnahmen aus Hessen reihen sich damit in eine bundesweite Debatte ein. Zahlreiche Krankenhausgesellschaften und Klinikträger haben in den vergangenen Wochen vor den möglichen Auswirkungen des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes gewarnt und Nachbesserungen gefordert.




