Solidaris-Betriebsvergleich 2025 belegt dramatische Liquiditätskrise der Kliniken
Warnung vor steigenden Insolvenzen durch geplante GKV-Einsparungen und anhaltende Finanzierungslücken
Die wirtschaftliche Lage vieler Krankenhäuser in Deutschland bleibt angespannt. Nach ersten Auswertungen des Krankenhaus-Betriebsvergleichs 2025 von Solidaris weisen freigemeinnützige und kommunale Kliniken im Durchschnitt weiterhin deutliche Defizite auf. Gleichzeitig warnt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vor zusätzlichen Belastungen durch das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das Einsparungen im Krankenhausbereich von rund fünf Milliarden Euro vorsieht.
Die Analyse basiert bislang auf den Jahresabschlüssen von 126 geprüften Krankenhäusern, darunter 97 freigemeinnützige und 29 kommunale Einrichtungen. Insgesamt sollen voraussichtlich 225 Jahresabschlüsse in den Betriebsvergleich einfließen. Die vollständigen Ergebnisse will Solidaris im Krankenhaus Rating Report 2026 veröffentlichen.
Nach den vorliegenden Daten erzielten die untersuchten Krankenhäuser im Geschäftsjahr 2025 durchschnittlich einen Jahresfehlbetrag von rund 1,4 Millionen Euro. Dies entspricht einer Umsatzrendite von minus 1,2 Prozent. Besonders kritisch stellt sich die Lage kommunaler Kliniken dar: Das durchschnittliche kommunale Krankenhaus schloss 2025 mit einem Defizit von 6,4 Millionen Euro ab. Freigemeinnützige Häuser erreichten dagegen im Durchschnitt lediglich ein ausgeglichenes Jahresergebnis.
Nur etwa die Hälfte der untersuchten Krankenhäuser erwirtschaftete 2025 überhaupt noch ein positives Ergebnis. Ein Viertel der Kliniken verzeichnete Defizite von mindestens 2,1 Millionen Euro, jedes zehnte Krankenhaus sogar Verluste von mindestens 6,7 Millionen Euro.
Besonders problematisch bleibt nach Einschätzung von Solidaris die operative Ertragslage. Das operative Ergebnis, bereinigt um außerordentliche Effekte, lag 2025 im Durchschnitt bei minus 3,0 Millionen Euro. Die operative Umsatzrendite betrug damit minus 2,6 Prozent. Zwar habe sich das operative Ergebnis gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert, dies sei jedoch vor allem auf temporäre Finanzierungseffekte wie die Bundesbasisfallwertsteigerung, Tarifausgleichszahlungen und befristete Rechnungszuschläge zurückzuführen.
Für das Krankenhausmanagement rückt damit die Liquiditätssicherung zunehmend in den Mittelpunkt. Die durchschnittliche EBITDA-Marge lag 2025 lediglich bei 1,0 Prozent, die operative EBITDA-Marge erneut im negativen Bereich bei minus 0,4 Prozent. Nach Angaben von Solidaris reichte das EBITDA bei 43 Prozent der untersuchten Krankenhäuser nicht einmal mehr aus, um den Kapitaldienst zu finanzieren. Eigenfinanzierte Investitionen seien unter diesen Bedingungen kaum möglich.
Auch die Liquiditätsreserven vieler Häuser nehmen weiter ab. Zum Jahresende 2025 deckte der frei verfügbare Geldmittelbestand im Durchschnitt nur noch den Finanzbedarf von 2,9 Wochen ab. 19 Prozent der geprüften Krankenhäuser verfügten laut Betriebsvergleich über keinerlei frei verfügbare Liquiditätsreserven mehr. Nach Einschätzung von Solidaris gilt eine Deckung von mindestens vier Wochen als notwendig, um die Zahlungsfähigkeit nachhaltig abzusichern.
Für 2026 kalkulieren die Krankenhäuser im Durchschnitt weiterhin mit negativen Ergebnissen. Solidaris erwartet zwar kurzfristige Entlastungen durch befristete Zuschläge, rechnet ab 2027 jedoch erneut mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Der durchschnittliche operative Fehlbetrag könnte dann wieder auf rund 3,3 Millionen Euro steigen.
Besonders kritisch bewertet die Beratungsgesellschaft die geplanten Einsparungen durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Diese würden nach Einschätzung von Solidaris die finanziellen Belastungen kommunaler Träger weiter erhöhen und die Zahl der Insolvenzen insbesondere im freigemeinnützigen Krankenhaussektor deutlich steigen lassen.




