GKV-Finanzierung: Kassen fordern weitere Strukturreformen

Nach dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz drängen Krankenkassen und Gesundheitsökonomen auf Prävention, Digitalisierung und mehr Effizienz

Trotz des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes bleibt der Reformdruck im Gesundheitswesen hoch. Krankenkassen und Gesundheitsökonomen fordern weitere strukturelle Veränderungen, um die Ausgaben langfristig zu begrenzen. Nach einer aktuellen Zusammenstellung der AOK soll insbesondere die Vermeidung unnötiger Behandlungen sowie der Ausbau von Prävention, Digitalisierung und ambulanter Versorgung stärker in den Mittelpunkt rücken.

Der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, fordert, zusätzliche Strukturreformen bereits 2027 zu beschließen, damit sie ab 2028 wirken können. Als zentrale Ansatzpunkte nennt er präventive Maßnahmen und effizientere digitale Prozesse.

Gesundheitsökonom Boris Augurzky vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung kritisiert dagegen die langfristige Wirkung des bisherigen Spargesetzes. Nach seiner Einschätzung werden finanzielle Belastungen vor allem von den Krankenkassen auf die Leistungserbringer verlagert, ohne die strukturellen Ursachen des Ausgabenanstiegs ausreichend zu beheben. Als Reformansätze nennt er Bürokratieabbau, die Vermeidung medizinisch nicht notwendiger Leistungen und eine stärkere Ambulantisierung.

Auch der AOK-Bundesverband sieht weiterhin Handlungsbedarf. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Jens Martin Hoyer warnt davor, die jüngsten Prognosen zur Beitragsentwicklung bereits als nachhaltige Stabilisierung zu bewerten. Ob die beschlossenen Maßnahmen über das gesamte Jahr 2027 wirken, sei weiterhin offen.

Für Krankenhäuser bleibt damit neben den bereits beschlossenen Finanzierungsänderungen die Frage relevant, welche weiteren Strukturreformen ab 2028 folgen und wie sich diese auf stationäre Leistungen und die wirtschaftliche Entwicklung der Standorte auswirken.