Fast jede zweite Reha-Einrichtung in Baden-Württemberg erwartet Verluste

BWKG-Indikator: 45,8 Prozent rechnen 2026 mit roten Zahlen – Verband kritisiert Vergütungssystem und fordert verlässliche Finanzierung

Die wirtschaftliche Lage der Reha-Einrichtungen in Baden-Württemberg bleibt angespannt. Nach dem aktuellen BWKG-Indikator 1/2026 rechnen 45,8 Prozent der befragten Geschäftsführenden für 2026 mit einem Verlust. Mehr als die Hälfte erwartet zudem eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation.

Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) sieht in den Ergebnissen ihres aktuellen Indikators ein deutliches Warnsignal für die medizinische Rehabilitation. Die Befragung wurde im Juni und Juli 2026 durchgeführt.

Demnach gehen 45,8 Prozent der Geschäftsführenden von Reha-Einrichtungen davon aus, das laufende Jahr mit roten Zahlen abzuschließen. Noch pessimistischer fällt der Blick auf die weitere Entwicklung aus: 56,3 Prozent erwarten, dass sich die wirtschaftliche Lage ihrer Einrichtung weiter verschlechtern wird.

„Wenn fast 46 Prozent der Reha-Einrichtungen im Land mit roten Zahlen rechnen, ist das ein deutliches Warnsignal“, erklärt BWKG-Vorstandsvorsitzender Heiner Scheffold. Gerade vor dem Hintergrund des gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Nutzens der Rehabilitation fehle vielen Einrichtungen weiterhin eine verlässliche wirtschaftliche Grundlage.

BWKG kritisiert neues Vergütungssystem der Rentenversicherung

Als eine Ursache der angespannten Situation nennt die BWKG das neue Vergütungssystem der Deutschen Rentenversicherung. Die bundesweite Kalkulationsbasis berücksichtige die vergleichsweise hohen Personal- und Sachkosten in Baden-Württemberg nicht ausreichend.

Nach Einschätzung der BWKG führt dies zu einer strukturellen Benachteiligung der Reha-Einrichtungen im Land. Zwar seien für 2027 Verbesserungen vorgesehen, einige Einrichtungen müssten 2026 jedoch eine Nullrunde verkraften.

Zusätzlichen wirtschaftlichen Druck sieht der Verband durch die Einsparungen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Die Begrenzung von Vergütungssatzerhöhungen und Tarifrefinanzierung verschärfe die finanzielle Situation der Einrichtungen weiter.

Die Folgen beträfen nach Einschätzung der BWKG nicht nur den laufenden Betrieb. Fehlende finanzielle Spielräume erschwerten auch Investitionen in Digitalisierung, moderne Infrastruktur und innovative Versorgungskonzepte. Reha-Kliniken seien dadurch gezwungen, Angebote, Prozesse und Strukturen zu überprüfen und anzupassen.

Scheffold: Rehabilitation ist eine Investition

Die BWKG warnt davor, die medizinische Rehabilitation ausschließlich unter Kostengesichtspunkten zu betrachten. Rehabilitation könne dazu beitragen, Erwerbsfähigkeit wiederherzustellen, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden und Frühverrentungen zu verhindern.

Scheffold verweist auf Studien, nach denen ein in Rehabilitation investierter Euro einen gesellschaftlichen Nutzen von bis zu fünf Euro erzeugen könne. Die BWKG fordert deshalb eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung der Einrichtungen.

Zu den Forderungen gehören die Abschaffung des sogenannten Reha-Deckels in der Rentenversicherung sowie unabhängige Schiedsstellen für alle Kostenträger. Für den Bereich der Deutschen Rentenversicherung fehle bislang eine entsprechende Streitlösungsinstanz.

BWKG fordert Bürokratieabbau in der Reha

Einsparpotenzial sieht die Krankenhausgesellschaft dagegen bei administrativen Vorgaben. Qualitätsanforderungen und Dokumentationspflichten unterschieden sich teilweise erheblich zwischen den verschiedenen Kostenträgern.

Reha-Einrichtungen, die sowohl Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung als auch der Rentenversicherung behandeln, müssten dadurch teilweise parallele Anforderungen erfüllen. Die BWKG fordert eine stärkere Vereinheitlichung der Verfahren und eine gemeinsame Nutzung bereits vorhandener Daten.

Hinzu kämen unterschiedliche Antragsverfahren und Verwaltungsprozesse, die Personalressourcen binden. Weniger Bürokratie könne nach Auffassung des Verbandes deshalb sowohl Kosten reduzieren als auch zusätzliche Zeit für die Patientenversorgung schaffen.

Fachkräfte bleiben Engpass für Reha-Einrichtungen

Neben der Finanzierung bleibt die Personalgewinnung eine zentrale Herausforderung. Besonders angespannt ist die Situation im ärztlichen Dienst. 66,2 Prozent der befragten Geschäftsführenden bewerten die Besetzung freier Arztstellen als schwierig oder eher schwierig.

Bei den Pflegefachkräften berichten 56,3 Prozent von entsprechenden Problemen. Im therapeutischen und medizinisch-technischen Dienst liegt der Anteil bei 47,9 Prozent.

Die BWKG erneuert deshalb ihre Forderung, Reha-Kliniken als Ausbildungsstätten anzuerkennen. Damit sollen die Einrichtungen bessere Möglichkeiten erhalten, selbst Fachkräfte zu qualifizieren und dem zunehmenden Personalmangel entgegenzuwirken.