Fachgesellschaft warnt vor Qualitätsrisiken bei Ambulantisierung von Brustkrebsoperationen

Senologen fordern neues Vergütungsmodell für ambulante Eingriffe und klare Indikationsregeln für zertifizierte Brustzentren

Die Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS) unterstützt grundsätzlich die politisch angestrebte Ambulantisierung ausgewählter Brustkrebsoperationen, sieht jedoch unter den derzeitigen Rahmenbedingungen erhebliche Risiken für die Versorgungsqualität. In einem im März 2026 veröffentlichten Positionspapier fordert die Fachgesellschaft deshalb strukturelle und finanzielle Anpassungen, bevor eine flächendeckende ambulante Durchführung umgesetzt wird.

Nach Darstellung der Fachgesellschaft sind Operationen bei Brustkrebs Teil eines komplexen Therapieprozesses, der über den eigentlichen chirurgischen Eingriff hinausgeht. Patientinnen benötigen häufig eine intensive interdisziplinäre Betreuung, die neben der Operation auch pflegerische, physiotherapeutische und psychosoziale Leistungen umfasst. Zu den zentralen Bestandteilen gehören unter anderem interdisziplinäre Tumorkonferenzen, Beratungen durch Breast Care Nurses, frühzeitige physiotherapeutische Maßnahmen, psychoonkologische Betreuung sowie sozialmedizinische Beratung.

Laut Positionspapier werden diese Leistungen im aktuellen ambulanten Vergütungssystem jedoch nur unzureichend abgebildet. Dadurch drohe bei einer Verlagerung von Operationen in den ambulanten Bereich eine strukturelle Unterfinanzierung wesentlicher Versorgungsbestandteile. Die Fachgesellschaft warnt, dass dadurch sowohl die Strukturqualität als auch die bisher erreichten Behandlungsergebnisse der zertifizierten Brustzentren gefährdet werden könnten.

Die zertifizierten Brustzentren in Deutschland gelten als zentraler Bestandteil der onkologischen Versorgung und arbeiten nach verbindlichen Qualitätsanforderungen. Neben der operativen Behandlung spielen koordinierte Behandlungsabläufe, interdisziplinäre Abstimmungen und umfassende Patientenbegleitung eine wesentliche Rolle. Nach Auffassung der Senologen müssen diese Strukturen auch bei einer stärkeren Ambulantisierung erhalten bleiben.

Die Fachgesellschaft fordert daher ein umfassendes Vergütungsmodell, das sämtliche qualitätsrelevanten Leistungen der Brustkrebsbehandlung einschließt. Gleichzeitig müsse die Weiterentwicklung ambulanter Versorgungsmodelle in enger Abstimmung mit den wissenschaftlichen Fachgesellschaften erfolgen. Auch klare Indikationskriterien seien notwendig, um sicherzustellen, dass komplexe oder besonders vulnerable Patientinnen weiterhin stationär behandelt werden können.

In ihrem Positionspapier betont die Deutsche Gesellschaft für Senologie zudem, dass eine Ambulantisierung nur dann sinnvoll umgesetzt werden könne, wenn sie nicht zulasten der Versorgungsqualität gehe. Politik und Entscheidungsträger seien daher aufgefordert, zeitnah tragfähige Rahmenbedingungen für eine qualitativ gesicherte ambulante Versorgung zu schaffen.

Für Krankenhäuser und zertifizierte Brustzentren ist die Debatte um die Ambulantisierung von Brustkrebsoperationen von hoher strategischer Bedeutung. Sie betrifft sowohl die zukünftige Organisation onkologischer Versorgungsstrukturen als auch die Finanzierung komplexer interdisziplinärer Leistungen im Krankenhaussektor.

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