Berliner Krankenhausversorgung unter Druck: Kritik an Schließung der Schlosspark-Klinik

Bündnis Klinikrettung warnt vor Versorgungslücken und fordert staatliches Eingreifen

Mit der vorgezogenen Einstellung der akutstationären Versorgung an der Schlosspark-Klinik Charlottenburg verschärft sich nach Einschätzung zivilgesellschaftlicher Akteure die angespannte Krankenhauslage in Berlin. Wie der Verein Gemeingut in BürgerInnenhand (GiB) e.V. berichtet, wurde der Betrieb bereits drei Monate früher als ursprünglich geplant eingestellt. Von ehemals elf Fachbereichen werden lediglich Psychiatrie und Neurologie vom katholischen Klinikverbund Alexianer übernommen, alle übrigen Leistungsbereiche entfallen.

Nach Angaben des Bündnisses Klinikrettung wurden in der Schlosspark-Klinik bislang jährlich rund 10.000 Patientinnen und Patienten behandelt. Die nun wegfallenden Kapazitäten würden nach Auffassung des Bündnisses nicht adäquat kompensiert. Sprecherin Laura Valentukeviciute kritisiert, dass sich die Schließung in eine Reihe struktureller Einschnitte einfüge. Sie verweist unter anderem auf die bereits erfolgte weitgehende Schließung des Wenckebach-Klinikums und spricht von einer zunehmenden Belastung der verbleibenden Krankenhäuser in der Hauptstadt. Wörtlich erklärte sie: „Wo sollen sie hin? In anderen überfüllten Berliner Krankenhäusern sich in die Warteschlange einreihen?“

Neben den Auswirkungen auf die Patientenversorgung thematisiert das Bündnis auch die Situation der Beschäftigten. Nach Angaben von Charlotte Rutz-Sperling, Ergotherapeutin, ver.di-Gewerkschafterin und Mitglied des Bündnisses Klinikrettung, waren zuletzt rund 800 Mitarbeitende an der Schlosspark-Klinik beschäftigt. Bis kurz vor der Schließung sei unklar gewesen, wie es für einen Großteil der Belegschaft weitergehe. Insbesondere für nichtärztliche Berufsgruppen wie Reinigung, Verwaltung, Technik und Service gebe es bislang kaum öffentlich bekannte Perspektiven.

Das Bündnis Klinikrettung fordert vor diesem Hintergrund ein grundsätzliches Umsteuern in der Krankenhauspolitik. Dazu zählen die Übernahme insolventer, bedarfsnotwendiger Krankenhäuser durch die öffentliche Hand, die Abschaffung der DRG-Finanzierung sowie die Wiedereinführung einer Selbstkostendeckung. Krankenhäuser seien Teil der Daseinsvorsorge und dürften nach Auffassung des Bündnisses nicht primär renditeorientiert betrieben werden.

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