SÜV-Pläne auf Föhr und Helgoland werfen Notfallfragen auf
Kommunen warnen vor Versorgungslücken bei Sturm und Nebel – Land will Nacht- und Wochenenddienste noch konkret ausgestalten
Die geplante Umwandlung der Krankenhäuser auf Föhr und Helgoland in sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen (SÜV) sorgt an Schleswig-Holsteins Westküste für konkrete Fragen zur künftigen Notfallversorgung. Bei der Regionalkonferenz in Husum warnten Vertreter aus Nordfriesland insbesondere vor Versorgungssituationen während der Tourismussaison und bei Wetterlagen, in denen Patienten nicht kurzfristig von den Inseln auf das Festland transportiert werden können. Wie das Schleswig-Holsteinische Ärzteblatt berichtet, stehen dabei vor allem Nacht- und Wochenenddienste sowie die Einbindung niedergelassener Ärzte im Fokus.
Das Land hatte zuvor sein Zielbild für die Versorgungsregion West vorgestellt. Danach sollen die Inselklinik Föhr-Amrum und die Nordseeklinik Helgoland zum 1. Januar 2028 in SÜV-Strukturen überführt werden. Diese bleiben Krankenhäuser und sollen insbesondere internistisch-geriatrische Grundversorgung mit ambulanten Angeboten verbinden. Die konkrete Ausgestaltung soll 2027 gemeinsam mit Klinikträgern, Rettungsdienst, niedergelassenen beziehungsweise ermächtigten Ärzten und der Kassenärztlichen Vereinigung festgelegt werden. Die endgültigen Leistungsgruppen-Zuweisungen erfolgen erst Ende 2026. Die laufende Planung ist damit noch nicht abgeschlossen.
Föhr sieht offene Fragen für Akutfälle außerhalb der Praxiszeiten
Besonders deutlich wurden die Bedenken auf Föhr. Amtsdirektor Christian Stemmer verwies laut Ärzteblatt auf rund 500 akute Krankheits- und Unfallfälle jährlich, für die sich bei einer eingeschränkten Akutversorgung die Frage stelle, wer Patienten außerhalb regulärer Zeiten übernimmt. Gerade bei Nebel, Sturm oder starkem Wellengang könne eine kurzfristige Verlegung per Schiff oder Hubschrauber nicht immer vorausgesetzt werden.
Vertreter der Notfallmedizin betonten dagegen, dass die Umwandlung in einen SÜV nicht den Wegfall jeglicher Notfallversorgung bedeute. Staatssekretär Olaf Tauras kündigte nach der Berichterstattung weitere Gespräche mit Kassenärztlicher Vereinigung, Ärztekammer und regionalen Akteuren zur Organisation der Nacht- und Wochenendversorgung an.
Die besondere Lage der Westküste spielt auch in der offiziellen Krankenhausplanung eine zentrale Rolle. Schleswig-Holstein hat sechs Versorgungsregionen geschaffen, um Entfernungen, Patientenströme und regionale Besonderheiten stärker in die neue leistungsgruppenbasierte Planung einzubeziehen. Die tatsächlichen Feststellungsbescheide sollen im Dezember 2026 ergehen und zum 1. Januar 2027 wirksam werden.
Klinik Dr. Winkler vor Auswahlentscheidung bei Endoprothetik
Ein weiterer Konfliktpunkt betrifft die Klinik Dr. Winkler in Husum. Die Belegklinik mit 13 Betten bietet nach Einschätzung des Landes teilweise vergleichbare elektive Leistungen wie das Klinikum Nordfriesland an. Bei der Endoprothetik soll deshalb eine Auswahlentscheidung zwischen beiden Standorten getroffen werden. Eine endgültige Festlegung steht noch aus.
KVSH-Vertreterin Bettina Schultze sieht darin nach Angaben des Ärzteblatts ein grundsätzliches Problem kleiner Belegkliniken: Spezialisierte und planbare Eingriffe könnten dort effizient erbracht werden, die geringe Bettenzahl passe jedoch nur eingeschränkt in die neue Planungslogik.
Die Debatte verschiebt sich damit von der grundsätzlichen Frage, welche Rollen die einzelnen Westküsten-Kliniken künftig erhalten, zunehmend zur praktischen Umsetzung: Entscheidend wird insbesondere sein, wie die Notfallversorgung an den Inselstandorten tatsächlich rund um die Uhr organisiert und finanziert werden kann.




