Mindestmengen: Weniger Krebsoperationen an unerfahrenen Kliniken
AOK Hessen sieht deutliche Qualitätsverbesserungen bei Brust- und Lungenkrebsoperationen
Die Konzentration komplexer Krebsoperationen auf erfahrenere Krankenhausstandorte schreitet voran. Eine aktuelle Auswertung der AOK Hessen zeigt, dass immer weniger Patientinnen und Patienten mit Brust- oder Lungenkrebs an Kliniken operiert werden, die nur geringe Fallzahlen aufweisen. Gleichzeitig steigen die durchschnittlichen Fallzahlen je behandelndem Standort. Nach Einschätzung der Krankenkasse zeigt sich damit, dass die Einführung und Anhebung von Mindestmengen des G-BA Wirkung entfaltet.
Grundlage der Analyse ist das Online-Portal „Qualitätsmonitor“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), das inzwischen mit Daten für das Jahr 2024 aktualisiert wurde. Das Portal ermöglicht Auswertungen zu Qualitäts- und Strukturindikatoren für verschiedene medizinische Leistungsbereiche, darunter Brustkrebs, Lungenkrebs, Herzinfarkt, Schenkelhalsbrüche sowie komplexe Eingriffe an Bauchspeicheldrüse und Speiseröhre.
Brustkrebs: Weniger Operationen an Kliniken mit niedrigen Fallzahlen
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei Brustkrebsoperationen. Während im Jahr 2020 noch knapp 513 Frauen mit Brustkrebs in Kliniken behandelt wurden, die weniger als 100 Fälle pro Jahr aufwiesen, sank diese Zahl im Jahr 2024 auf 248 Patientinnen. Der Anteil verringerte sich damit von 10,2 Prozent auf fünf Prozent.
Parallel dazu stieg die durchschnittliche jährliche Fallzahl pro Klinik deutlich an. Wurden im Jahr 2020 durchschnittlich 130 Brustkrebsoperationen je Standort durchgeführt, lag dieser Wert 2024 bereits bei 191 Eingriffen. Gleichzeitig reduzierte sich die Zahl der beteiligten Kliniken von 39 auf 26 Standorte.
Für Brustkrebsoperationen hat der G-BA im Jahr 2024 erstmals eine Mindestmenge von 50 Fällen pro Jahr eingeführt. Seit 2025 gilt eine nochmals erhöhte Mindestmenge von 100 Eingriffen jährlich.
Auch bei Lungenkrebs steigt die Konzentration
Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei Operationen wegen Lungenkrebs. Hier wurden im Jahr 2020 noch 285 Patientinnen und Patienten an Klinikstandorten behandelt, die weniger als 75 Fälle pro Jahr aufwiesen. Im Jahr 2024 waren es nur noch 81 Betroffene.
Auch die durchschnittliche Fallzahl pro Klinik nahm deutlich zu: von 41 Fällen im Jahr 2020 auf 67 Fälle im Jahr 2024. Gleichzeitig sank die Zahl der operierenden Krankenhausstandorte von 26 auf 22.
Bei Lungenkrebsoperationen wurde die Mindestmenge durch den G-BA zunächst auf 40 Fälle pro Jahr festgelegt und ab 2025 auf 75 Fälle jährlich erhöht.
Qualitätssteigerung durch Spezialisierung
Aus Sicht der AOK Hessen verdeutlichen die Daten, dass Mindestmengen zu einer stärkeren Spezialisierung und einer Bündelung komplexer Eingriffe an leistungsfähigeren Standorten beitragen. Höhere Fallzahlen können dabei helfen, medizinische Expertise auszubauen, Behandlungsabläufe zu standardisieren und die Versorgungsqualität langfristig zu verbessern.
„Mindestmengen wirken“, so die zentrale Bewertung der AOK Hessen. Gleichzeitig bestehen weiterhin Unterschiede in der Versorgung. Fortschritte bei der gezielten Steuerung von Krebsoperationen an durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifizierten Krebszentren seien bislang nur begrenzt erkennbar.
Der Qualitätsmonitor macht regionale Unterschiede in der stationären Versorgung transparent und liefert damit eine wichtige Datengrundlage für die Diskussion über Krankenhausstruktur, Qualitätssicherung und die weitere Konzentration medizinischer Leistungen.




