AOK will Leistungsgruppen stärker an Behandlungsergebnissen ausrichten

IGES-Gutachten sieht Einsparpotenzial durch Ausschluss von Kliniken mit hohen Komplikationsraten

Die AOK fordert, bei der laufenden Zuweisung von Leistungsgruppen an Krankenhäuser stärker auf die tatsächliche Ergebnisqualität zu achten. AOK-Krankenhausexperte Jürgen Malzahn verweist dabei auf bestehende Routinedaten und ein IGES-Kurzgutachten, das für ausgewählte Leistungsbereiche ein jährliches Einsparpotenzial von knapp 38 Millionen Euro errechnet hat.

Die AOK plädiert dafür, bei der Vergabe der derzeit 61 Leistungsgruppen an Krankenhäuser neben strukturellen Anforderungen auch die Ergebnisqualität der Behandlung stärker zu berücksichtigen. Hintergrund ist die laufende Neuordnung der Krankenhausplanung in den Bundesländern.

AOK-Krankenhausexperte Jürgen Malzahn verweist dazu auf das QSR-Verfahren des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Dabei werden Qualitätsunterschiede zwischen Krankenhäusern anhand von Routinedaten gemessen und risikoadjustiert ausgewertet.

Für derzeit 13 Indikationen werden die Ergebnisse bereits öffentlich im Gesundheitsnavigator der AOK dargestellt. Für weitere 11 Leistungsbereiche erhalten die Kliniken selbst entsprechende Auswertungen.

Aus Sicht Malzahns könnten die Länder diese Qualitätsinformationen künftig gezielt für ihre Planungsentscheidungen nutzen. Wenn bei der Zuweisung von Leistungsgruppen zwischen mehreren Standorten ausgewählt werden müsse, sollten Einrichtungen mit mindestens durchschnittlicher oder überdurchschnittlicher Ergebnisqualität bevorzugt werden.

Weniger Komplikationen und geringere Folgekosten

Die AOK verbindet diesen Ansatz ausdrücklich mit zwei Zielen. Zum einen sollen ungeplante Folgeeingriffe und Komplikationen reduziert werden. Zum anderen könnten dadurch auch die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung sinken.

Zur Quantifizierung dieses Effekts hat die AOK das IGES-Institut mit einem Kurzgutachten beauftragt. Untersucht wurden ausgewählte, überwiegend elektiv erbrachte Eingriffe.

Dazu gehörten Kniegelenksimplantationen, Hüftgelenksimplantationen, therapeutische Herzkatheter bei Patienten ohne Herzinfarkt, die Behandlung von Herzinsuffizienz sowie Leistenhernien.

Das Gutachten simulierte, welche Kosten vermieden werden könnten, wenn nur noch Krankenhausstandorte mit mindestens durchschnittlicher beziehungsweise günstigerer Komplikationsrate an der Versorgung beteiligt wären.

Nach Angaben Malzahns ergibt sich daraus ein Einsparpotenzial von knapp 38 Millionen Euro pro Jahr.

AOK hält tatsächliches Einsparpotenzial für höher

Malzahn weist darauf hin, dass das zugrunde liegende Gutachten bereits aus dem Jahr 2023 stammt. Die zwischenzeitlichen Preissteigerungen seien dort noch nicht berücksichtigt.

Zudem gebe es weitere Leistungsbereiche, für die bereits Qualitätsdaten vorlägen, die in der damaligen Modellrechnung aber noch nicht enthalten gewesen seien. Bei einer Ausweitung auf zusätzliche Indikationen könnte das Einsparpotenzial nach Einschätzung der AOK entsprechend höher ausfallen.

Die Grundidee lasse sich nach Auffassung Malzahns zudem nicht nur auf das QSR-Verfahren übertragen. Auch andere Qualitätssicherungsverfahren könnten grundsätzlich genutzt werden, wenn sie belastbare Aussagen zur Ergebnisqualität einzelner Standorte ermöglichen.

Bezug zur aktuellen GKV-Finanzlage

Die AOK verknüpft den Vorschlag ausdrücklich mit der aktuellen Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung. Malzahn geht davon aus, dass die Einsparungen aus dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz perspektivisch nicht ausreichen werden.

Aus seiner Sicht sollten deshalb zusätzliche Einsparpotenziale genutzt werden, insbesondere dort, wo sie zugleich einen Nutzen für Patienten bringen.

Die qualitätsorientierte Leistungsgruppenvergabe könnte nach Auffassung der AOK auch einen Beitrag zur Gegenfinanzierung der 550 Millionen Euro leisten, die den Krankenhäusern im Zusammenhang mit der Protokollnotiz zum Beitragssatzstabilisierungsgesetz zugesprochen wurden.

Ergebnisqualität als zusätzliches Planungskriterium

Der Vorschlag der AOK würde die bisherige Krankenhausplanung deutlich erweitern. Neben Strukturmerkmalen, Personalvorgaben und Leistungsgruppen würde künftig stärker berücksichtigt, wie gut Behandlungsergebnisse an einzelnen Standorten tatsächlich ausfallen.

Für Krankenhäuser könnte dies bedeuten, dass Komplikationsraten und langfristige Behandlungsergebnisse stärker über die Zukunft einzelner Leistungsbereiche entscheiden.

Ob und in welchem Umfang die Länder solche Routinedaten tatsächlich in ihre Planungsentscheidungen einbeziehen, ist derzeit offen. Die AOK sieht darin jedoch eine Möglichkeit, Qualitätssteuerung und Ausgabenbegrenzung miteinander zu verbinden.