Berliner Krankenhäuser rücken Schutz vor Sabotage und Spionage in den Fokus

Berliner Krankenhausgesellschaft warnt vor hybriden Bedrohungen und fordert Investitionen in Resilienz und Sicherheit

Angesichts einer wachsenden Zahl ungewöhnlicher Sicherheitsvorfälle informiert die Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) über Maßnahmen zum Schutz von Krankenhäusern vor Sabotage, Spionage und hybriden Angriffen. Berliner Kliniken berichten zunehmend von unerklärlichen Ereignissen wie Drohnenüberflügen, Cyberangriffen, unbefugtem Zutritt zu sensiblen Bereichen, aufgebrochenen Türen sowie Brand- und Sprenganschlägen. Sicherheitsbehörden ordnen diese Vorkommnisse teilweise als mögliche Elemente hybrider Kriegsführung ein.

Vor diesem Hintergrund hatten die BKG und die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege bereits Ende des vergangenen Jahres eine Informationsveranstaltung für Berliner Krankenhäuser konzipiert. Ziel war es, Kliniken für die Bedrohungslage zu sensibilisieren und konkrete Hinweise zum Eigenschutz zu geben. Bei der heutigen Veranstaltung informierten Expertinnen und Experten aus Verfassungsschutz, Landeskriminalamt und dem Bereich Cybersicherheit über wirksame Schutzmaßnahmen für die Krankenhausinfrastruktur.

Krankenhäuser als kritische Infrastruktur besonders gefährdet

BKG-Geschäftsführer Marc Schreiner unterstrich die besondere Rolle der Krankenhäuser: „Krankenhäuser als Rückgrat der Gesundheitsversorgung gehören zur kritischen Infrastruktur. Sie vor Bedrohungen durch Spionage und Sabotage zu schützen ist Voraussetzung, um die Leistungsfähigkeit im Rahmen des Zivilschutzes zu gewährleisten.“ Hybride Angriffe zielten auf Destabilisierung, was nicht hingenommen werden dürfe. Aufgrund ihrer geopolitischen Lage stünden die Kliniken der Hauptstadt besonders im Fokus und müssten sich gegen Ausspähung und Beschädigungen wappnen.

Die BKG habe bereits mehrfach auf die zunehmenden hybriden Bedrohungen für Einrichtungen der Gesundheitsversorgung hingewiesen. Gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden seien Klinikverantwortliche erneut für Sicherheitslücken sensibilisiert und anhand praktischer Beispiele beim Erkennen und Schließen dieser Schwachstellen unterstützt worden. Nach Angaben der BKG seien die Krankenhäuser bereit, Verantwortung zu übernehmen, benötigten dafür jedoch aktive Unterstützung durch Staat und Sicherheitsbehörden.

Krisenresilienz erfordert systematische Maßnahmen

Nach Einschätzung der BKG reicht ein rein internes Sicherheitsverständnis nicht mehr aus. Der Schutz der Kliniken müsse strukturiert und gemeinsam mit Sicherheitsbehörden angegangen werden. Die Verwundbarkeit des Systems sei zuletzt durch den Stromanschlag im Südwesten Berlins erneut deutlich geworden.

Für eine höhere Krisenresilienz seien mehrere Schritte notwendig: Krankenhäuser müssten typische Spionagemuster erkennen, Sicherheitslücken auf ihren Geländen systematisch identifizieren, Mitarbeitende schulen und insgesamt zu mehr Wachsamkeit beitragen. Zudem müssten praxistaugliche Notfall- und Schutzkonzepte entwickelt und in enger Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden umgesetzt werden. Die BKG kündigte an, die Kliniken dabei aktiv zu unterstützen.

Forderung nach gezielten Investitionen

Positiv bewertet die BKG den Rahmenplan Zivile Verteidigung des Landes Berlin, der Hinweise zur Organisation der Krankenhausversorgung unter Krisenbedingungen gibt. Darüber hinaus seien jedoch gezielte Investitionen in die bauliche und technische Resilienz der Kliniken erforderlich. Genannt werden unter anderem Maßnahmen zur Netzwerksicherheit, wirksame Zutrittskontrollen zu sicherheitsrelevanten Bereichen sowie zusätzliche bauliche Schutzvorkehrungen.

Mit Blick auf die Finanzierung macht die Krankenhausgesellschaft deutlich, dass Sicherheit zusätzliche Ressourcen erfordert. „Die Zeit drängt. Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Wir brauchen unverzüglich einen Resilienzbooster“, so Schreiner.

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