Planinsolvenz am Medizin Campus Bodensee belastet Beschäftigte
Betriebsrat warnt vor Abwanderung bei Verzögerungen und fordert schnelle Entscheidung zur Trägerschaft
Seit dem 1. Februar 2026 läuft die Planinsolvenz des Medizin Campus Bodensee (MCB). Für die mehr als 1.700 Beschäftigten bedeutet dies weiterhin eine Phase großer Unsicherheit. Wie der Betriebsrat im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung erläutert, zehrt vor allem die Dauer des Verfahrens an den Nerven der Mitarbeitenden.
Während des vorläufigen Insolvenzverfahrens hatte die Agentur für Arbeit die Gehälter übernommen. Mit Beginn der regulären Planinsolvenz muss der MCB diese nun wieder selbst aus den laufenden Einnahmen finanzieren. Entsprechend groß ist der Wunsch der Beschäftigten nach einer raschen Klärung der künftigen Trägerschaft.
Nach Angaben des Betriebsrats ist die vorläufige Insolvenz abgeschlossen; das Insolvenzgericht habe Anfang Februar die Planinsolvenz bestätigt. Nun werde darauf gewartet, für welchen Bewerber sich Sachwalter und Bodenseekreis entscheiden. Ziel müsse es sein, zeitnah Klarheit zu schaffen, um weitere Verunsicherung zu vermeiden.
Der Austausch mit politischen Entscheidungsträgern wird vom Betriebsrat als wichtiges Signal gewertet. So habe Landrat Lothar Wölfle Prayon an Mitarbeiterversammlungen in Tettnang und Friedrichshafen teilgenommen und die Rolle des Bodenseekreises im Verfahren erläutert. Der Betriebsrat sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Belegschaft.
Kritisch bewertet der Betriebsrat einzelne öffentliche Debatten und Medienberichte, die aus Sicht der Beschäftigten zu zusätzlicher Unruhe geführt hätten.
Noch halte sich die Zahl der Kündigungen im üblichen Rahmen. Sollte sich der Entscheidungsprozess jedoch weiter über Monate hinziehen, sieht der Betriebsrat die Gefahr einer schleichenden Abwanderung von Fachpersonal.
Zusätzliche Belastung entsteht dadurch, dass viele Mitarbeitende Überstunden angesammelt haben, die nun Teil der Insolvenzmasse sind. Diese mussten zum Stichtag eingefroren und als Forderungen angemeldet werden. Ob und in welcher Höhe eine Auszahlung erfolgt, hängt von der späteren Insolvenzquote ab.
Mit Blick auf die Zukunft spricht sich der Betriebsrat klar für eine kommunale Trägerschaft aus. Diese wird als nachhaltiger angesehen, um auch medizinische Bereiche zu sichern, die wirtschaftlich weniger profitabel sind, aber für die regionale Versorgung notwendig bleiben. Private Anbieter würden aus Sicht der Arbeitnehmervertretung stärker nach Wirtschaftlichkeitskriterien entscheiden und könnten sich im Zweifel schneller aus defizitären Bereichen zurückziehen.
Der Appell des Betriebsrats richtet sich daher insbesondere an die Kreisräte des Bodenseekreises, zeitnah eine Entscheidung zu treffen und damit die Versorgungssicherheit in der Region zu gewährleisten.




