Klinikum Wilhelmshaven: Tarifstreit eskaliert vor Aufsichtsratssitzung
Beschäftigte fordern rückwirkende Auszahlung und vollständige TVöD-Übernahme – offener Brief übergeben
Am Klinikum Wilhelmshaven spitzt sich ein Tarifkonflikt weiter zu. Über 200 Beschäftigte haben einen offenen Brief an den Aufsichtsrat unterzeichnet und fordern die vollständige und rückwirkende Übernahme des Tarifvertrags des öffentlichen Dienstes. Hintergrund sind ausstehende Entgelterhöhungen und Streit über die Einbeziehung einzelner Beschäftigtengruppen.
Am Klinikum Wilhelmshaven hat sich ein seit Monaten andauernder Tarifkonflikt deutlich verschärft. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mobilisiert Beschäftigte zu einer „Aktiven Mittagspause“ und erhöht damit den öffentlichen Druck auf die Klinikleitung und den Aufsichtsrat. Anlass ist die aus Sicht der Beschäftigten ausstehende Umsetzung bereits verhandelter Entgelterhöhungen.
Innerhalb weniger Tage unterzeichneten mehr als 200 Beschäftigte einen offenen Brief, der sich an den Aufsichtsrat des Klinikums richtet. Darin wird die sofortige und vollständige Übernahme des Tarifabschlusses des öffentlichen Dienstes (TVöD) für alle Beschäftigten gefordert. Nach Darstellung der Gewerkschaft erhalten derzeit nur Teile der Belegschaft entsprechende Anpassungen, während ein Großteil seit rund einem Jahr ohne Lohnsteigerung geblieben sei.
Ausgangspunkt des Konflikts ist eine im November 2025 erzielte, jedoch nicht vollständig umgesetzte Tarifeinigung. In erneuten Gesprächen im März 2026 wurde zwar eine Auszahlung der rückständigen Entgelterhöhungen in Aussicht gestellt, diese jedoch erneut verschoben. Zusätzlich sorgt eine geplante unterschiedliche tarifliche Behandlung einzelner Gruppen für Kritik. Besonders betroffen sind demnach Hebammenstudierende, die nach aktueller Planung erst ab 2027 vollständig tariflich einbezogen werden sollen.
Die Gewerkschaft kritisiert diese Entwicklung als strukturelle Ungleichbehandlung innerhalb der Belegschaft. Nach Angaben der Tarifkommission fehlen Vollzeitbeschäftigten je nach Eingruppierung bislang zwischen 1.300 und 2.500 Euro, mit weiter steigender Tendenz. Angesichts der anhaltenden Inflation verschärfe sich die wirtschaftliche Belastung der Beschäftigten zusätzlich.
Die Geschäftsführung des Klinikums begründet die Verzögerungen nach Darstellung der Gewerkschaft nicht ausreichend, was zu zusätzlicher Verunsicherung führt. Gleichzeitig weist sie laut ver.di Verantwortung für die Eskalation von sich und verweist auf offene tarifliche Fragen. Eine abschließende Entscheidung soll nun durch den Aufsichtsrat erfolgen.
Mit der Übergabe des offenen Briefes vor der Sitzung des Gremiums am 21. April wird der Konflikt auf die politische und strategische Entscheidungsebene des Klinikums verlagert. Der Vorgang verdeutlicht zugleich die zunehmende Bedeutung tarifpolitischer Stabilität für die Funktionsfähigkeit kommunaler Krankenhäuser.





