Klinikum Lippe: Vergabeprüfer stellen erhebliche Verstöße fest

Bericht zu früheren Bauprojekten geht an Staatsanwaltschaft – Klinik verweist auf neue Compliance-Strukturen

Die Rechnungsprüfung des Kreises Lippe hat bei der Vergabe von Bau- und Planungsaufträgen des Klinikums Lippe erhebliche Verstöße gegen das Vergaberecht festgestellt. Nach Recherchen des WDR und der Lippischen Landes-Zeitung betrifft die Untersuchung Vergabeverfahren aus den Jahren 2016 bis 2025. Landrat Meinolf Haase hat den Prüfbericht an die Staatsanwaltschaft Bielefeld weitergeleitet. (1) (2)

Zu den festgestellten Unregelmäßigkeiten gehören Auftragsvergaben ohne vorgeschriebene europaweite Ausschreibungen, unvollständige Dokumentationen und mögliche Verstöße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. In mindestens einem Fall soll ein späterer Auftragnehmer bereits vor der eigentlichen Vergabe in die Projektplanung eingebunden gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld soll nun prüfen, ob sich aus den Feststellungen strafrechtlich relevante Sachverhalte ergeben. Landrat Haase kündigte zudem eine weitergehende Untersuchung der Bauausführung an.

Das Klinikum Lippe bestätigte am 8. Oktober 2026 den Eingang des Rechnungsprüfungsberichts und verwies auf inzwischen veränderte Organisations- und Kontrollstrukturen (3)

. Dazu zählen neue Freigabeprozesse, ein Mehraugenprinzip und die Nutzung elektronischer EU-Vergabeplattformen seit November 2025. Ende vergangenen Jahres wurde zudem ein Compliance-Beauftragter ernannt.

Die Geschäftsführung will den Bericht auswerten und mögliche rechtliche Schritte prüfen. Über weitere Konsequenzen sollen sich die zuständigen Gremien beraten.