Hanauer Kliniken warnen vor Versorgungslücken durch GKV-Spargesetz
Krankenhäuser aus Hanau und der Region sehen Finanzierung und Krankenhausreform gleichzeitig gefährdet
Das Klinikum Hanau, das St. Vinzenz-Krankenhaus Hanau sowie die varisano-Kliniken haben gemeinsam vor den möglichen Auswirkungen des geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (GKV-BStabG) gewarnt. Im Rahmen der Kampagne der Hessischen Krankenhausgesellschaft sehen die beteiligten Häuser die Gefahr, dass finanzielle Kürzungen die laufende Transformation der Krankenhauslandschaft zusätzlich erschweren und die regionale Versorgung beeinträchtigen könnten.

Teilnehmende der Kampagne #HESSENVERSORGTNOCH (v. l. n. r.): Dr. med. Patrick Frey (varisano Kliniken), Stefan Gröger (Klinikum Hanau), Dr. Maximilian Bieri (Bürgermeister der Stadt Hanau und Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Hanau), Maren Brücher (Vitos Rhein-Main) und Michael Sammet (St. Vinzenz-Krankenhaus Hanau).
Foto: Klinikum Hanau
Nach Angaben der beteiligten Kliniken stehen die Krankenhäuser derzeit vor erheblichen Herausforderungen. Einerseits müssen sie die Vorgaben der Krankenhausreform umsetzen, Versorgungsstrukturen anpassen und Investitionen in Infrastruktur sowie Kooperationen tätigen. Andererseits würden die im Gesetzentwurf vorgesehenen Sparmaßnahmen die wirtschaftliche Situation vieler Häuser weiter verschärfen.
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Hanau betonte der Hanauer Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikums Hanau, Dr. Maximilian Bieri, die Bedeutung der Krankenhäuser für die kommunale Daseinsvorsorge. Die Sicherstellung einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung sei eine zentrale Aufgabe der öffentlichen Hand. Gleichzeitig könnten Kommunen strukturelle Finanzierungsprobleme des Gesundheitswesens nicht dauerhaft ausgleichen.
Nach Darstellung der Kliniken schreiben bereits mehr als 70 Prozent der hessischen Krankenhäuser dauerhaft Defizite. Vor diesem Hintergrund werde das geplante Gesetz als zusätzliche Belastung bewertet. Die Krankenhausvertreter befürchten Auswirkungen auf Notaufnahmen, Personalstrukturen und die regionale Versorgungssicherheit.
Stefan Gröger, Geschäftsführer des Klinikums Hanau, verwies auf die besondere Rolle des Hauses in der Notfallversorgung. Die Notaufnahme des Klinikums behandle jährlich mehr als 50.000 Patientinnen und Patienten und sei damit eine zentrale Versorgungsstruktur für die gesamte Region. Gleichzeitig müsse das Krankenhaus erhebliche Transformationsleistungen im Zuge der Krankenhausreform erbringen.
Auch das freigemeinnützige St. Vinzenz-Krankenhaus Hanau sieht die geplanten Maßnahmen kritisch. Geschäftsführer Michael Sammet machte darauf aufmerksam, dass freigemeinnützige Träger keine kommunalen Verlustausgleiche erhalten. Zudem würden steigende Sachkosten die bestehende Finanzierungslücke weiter vergrößern. Das Krankenhaus versorgt nach eigenen Angaben jährlich rund 20.000 Notfallpatientinnen und -patienten.
Für die varisano GmbH betonte Geschäftsführer Dr. Patrick Frey die Bedeutung einer funktionierenden sektorenübergreifenden Versorgung. Ambulantisierung und regionale Kooperationen könnten nur gelingen, wenn gleichzeitig wirtschaftlich stabile Krankenhausstrukturen erhalten blieben.
Die gemeinsame Pressekonferenz war Teil der Kampagne „#HESSENVERSORGTNOCH“, mit der die hessischen Krankenhäuser auf die finanziellen Folgen des Gesetzentwurfs aufmerksam machen wollen. Die beteiligten Häuser unterstützen nach eigener Darstellung grundsätzlich Reformen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung, lehnen jedoch pauschale Kürzungen ab, die nach ihrer Einschätzung zu einem ungesteuerten Strukturwandel in der Krankenhausversorgung führen könnten.
Mit Blick auf die erste Lesung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes im Deutschen Bundestag appellierten die Klinikvertreter an die Bundespolitik, die Auswirkungen auf die Versorgung vor Ort stärker zu berücksichtigen und die Finanzierung der Krankenhäuser im Rahmen der Reformen verlässlich auszugestalten.




