Krankenhausreform: Bayerns Kliniken fokussieren ihr Leistungsspektrum

Rund 250 Kliniken beantragen knapp 3.700 Leistungsgruppen – BKG sieht zunehmende Konzentration, warnt aber vor Komplexität und weiterem wirtschaftlichen Druck

Die Krankenhausreform führt in Bayern bereits zu einer stärkeren Konzentration des medizinischen Leistungsspektrums. Rund 250 Kliniken haben knapp 3.700 Anträge auf Leistungsgruppen gestellt. Nach Einschätzung der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) zeigt die im Vergleich zum theoretisch möglichen Umfang geringere Zahl der Anträge, dass sich die Häuser stärker auf ihre vorhandenen Kompetenzen konzentrieren. Das berichtet BR24 in einer Zwischenbilanz zur Krankenhausreform.

Wie weit der Strukturwandel bereits gehen kann, zeigt der Klinikverbund Südostbayern. Dort wurde die Zahl der Standorte mit einer Rund-um-die-Uhr-Versorgung nach Angaben von Vorstandschef Uwe Gretscher auf drei halbiert. Parallel entstanden andere Versorgungsangebote, darunter ein Gesundheitscampus in Freilassing.

BKG-Geschäftsführer Roland Engehausen bewertet die zunehmende Fokussierung grundsätzlich positiv, kritisiert die Reform zugleich aber als sehr komplex. Auch das Ziel, Krankenhäuser vom wirtschaftlichen Druck einer möglichst hohen Fallzahl zu entlasten, werde aus seiner Sicht nur teilweise erreicht.

Entscheidungen über Leistungsgruppen bis Jahresende

Die beantragten Leistungsgruppen werden durch den Medizinischen Dienst geprüft. Die abschließende Zuweisung erfolgt durch das Bayerische Gesundheitsministerium und soll nach Angaben von Gesundheitsministerin Judith Gerlach bis Ende 2026 abgeschlossen werden. Das Ministerium bestätigt, dass Bayern damit im vorgesehenen Zeitplan liegt.

Zusätzliche Unsicherheit verursacht nach Darstellung der Kliniken die finanzielle Entwicklung. Gretscher kritisiert gegenüber BR24 insbesondere die Begrenzung der Finanzierungszuwächse und warnt, dass dadurch Mittel für notwendige Umstrukturierungen fehlen könnten. Die AOK Bayern fordert dagegen, die künftigen Strukturen konsequent am regionalen Versorgungsbedarf auszurichten und dabei auch ambulante Angebote und Gesundheitszentren stärker einzubeziehen.