Krankenhauskrise verschärft sich: Experten fordern frühzeitiges Handeln der Klinikleitungen

Fachveranstaltung „Kliniken auf der Intensivstation 3.0“ diskutiert Strategien gegen Insolvenzen und wirtschaftlichen Druck

HC&S Veranstaltung „Ideenkonzepte für Krankenhäuser in der Krise 3.0“

Insolvenzexperte Thomas Mulansky bei seinem Vortrag auf der Veranstaltung „Ideenkonzepte für Krankenhäuser in der Krise 3.0“.
Foto: HC&S AG

Auf der Fachveranstaltung „Kliniken auf der Intensivstation 3.0: Ideenkonzepte für Krankenhäuser in der Krise“ haben führende Vertreter aus Krankenhausmanagement, Restrukturierung, Insolvenzrecht und Gesundheitswirtschaft vor einer weiteren Zuspitzung der wirtschaftlichen Lage deutscher Kliniken gewarnt. Die Veranstaltung fand an der Hochschule Fresenius statt.

Im Mittelpunkt standen Strategien zur Sanierung und Zukunftssicherung von Krankenhäusern unter den Bedingungen der Krankenhausreform und geplanter Einsparungen im Gesundheitswesen.

Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Krankenhausgesellschaft, zeichnete zum Auftakt ein alarmierendes Bild der aktuellen Situation. Die Absage des diesjährigen Sommerempfangs der DKG sei Ausdruck der dramatischen Lage vieler Kliniken. Gaß kritisierte politische Entscheidungen zulasten der Krankenhäuser und ihrer Beschäftigten. Prognosen zufolge bestehe bis 2030 für rund die Hälfte aller Krankenhäuser ein erhebliches Insolvenzrisiko.

Praxisnahe Restrukturierungsansätze standen im weiteren Verlauf im Fokus. Prof. Dr. Lars Timm, Vorstand der HC&S AG berichtete über die Sanierung des Krankenhaus Geesthacht. Nach einem erneuten Insolvenzverfahren sei eine wirtschaftliche Stabilisierung durch eine konsequente medizinstrategische Neuausrichtung gelungen. Für 2027 werde inzwischen ein positives EBITDA von rund 1,2 Millionen Euro erwartet.

Auch Dr. John Näthke schilderte Erfahrungen aus der Restrukturierung des DIAKO Krankenhaus Flensburg. Nach einem Insolvenzverfahren im Jahr 2023 habe das Haus seine Verluste deutlich reduzieren und 2025 wieder ein positives Ergebnis erzielen können. Näthke betonte insbesondere die Bedeutung frühzeitiger Kostenreduktionen, klarer Veränderungsprozesse und eines gemeinsamen Veränderungswillens innerhalb der Organisation.

Die juristische Perspektive beleuchtete Dr. Georg Bernsau, Partner bei K&L Gates. Geschäftsführer und Vorstände sähen sich in Krisensituationen mit verschärften Organpflichten konfrontiert. Entscheidend seien frühzeitige Risikoerkennung, rechtssicheres Handeln und eine umfassende Dokumentation.

Die Insolvenzexperten Thomas Mulansky und Prof. Dr. Lucas Flöther warnten zudem vor den Folgen der geplanten Gesundheitsreform sowie zusätzlicher Kürzungen in Höhe von 5,1 Milliarden Euro zulasten der Krankenhäuser. Nach Einschätzung der Experten würden die wirtschaftlichen Folgen künftig nicht nur defizitäre Häuser betreffen. Auch bislang wirtschaftlich stabile Kliniken müssten mit erheblichen finanziellen Einbußen rechnen.

Zum Abschluss zog HC&S-CEO Dr. Nicolas Krämer ein klares Fazit: „Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Die Rahmenbedingungen verändern sich dramatisch. Krankenhausmanagement beginnt heute mit einer ehrlichen Analyse der Fortbestandsfähigkeit und dem Mut, frühzeitig zu handeln.“

Die Veranstaltung machte deutlich, dass viele Krankenhausmanager die kommenden Jahre als entscheidende Phase für die wirtschaftliche und strukturelle Neuausrichtung der Kliniklandschaft betrachten.

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