Hartmannbund kritisiert Pläne zur AU-Pflicht ab Tag 1 scharf
Ärzteverband warnt vor mehr Bürokratie und zusätzlicher Belastung der Praxen
Der Hartmannbund kritisiert die geplanten Koalitionsbeschlüsse zur Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und zur Einführung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungspflicht ab dem ersten Krankheitstag deutlich. Nach Einschätzung des Verbandes würden die Maßnahmen zu einer zusätzlichen Belastung der Arztpraxen führen und die ambulante Versorgung weiter unter Druck setzen.
Der Hartmannbund warnt vor einer Verschlechterung der Versorgungsstrukturen durch die geplanten Änderungen im Bereich der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Nach Angaben des Verbandes würde insbesondere die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung keinen relevanten Beitrag zur Senkung der Krankenstände leisten.
Verbandssprecher Dr. Klaus Reinhardt betont, dass die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in der Praxis ein bewährtes Instrument zur Entlastung der Arztpraxen und zur Vermeidung unnötiger Patientenkontakte sei. Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) zeigten zudem, dass lediglich ein sehr geringer Anteil der Krankheitstage auf diese Form der Krankschreibung entfalle.
Besonders kritisch bewertet der Hartmannbund die geplante Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag. Nach Einschätzung des Verbandes könnte dies zu einer deutlichen Zunahme der Patientenkontakte in den Hausarztpraxen führen, vorallem bei leichten Erkrankungen wie Infekten oder gastrointestinalen Beschwerden.
Der Verband argumentiert, dass dadurch zusätzliche Bürokratie entstehe und personelle Ressourcen in den Praxen stärker gebunden würden. Gleichzeitig bestehe das Risiko, dass infektiöse Patientinnen und Patienten häufiger in den Wartezimmern erscheinen und damit zusätzliche Ansteckungsrisiken entstehen.
Auswirkungen auf die ambulante Versorgung
Der Hartmannbund sieht durch die geplanten Regelungen auch Auswirkungen auf die Steuerung der ambulanten Versorgung. Ärztliche Kapazitäten könnten verstärkt durch Bagatellfälle gebunden werden, wodurch längere Wartezeiten für Patientinnen und Patienten mit komplexeren oder dringenden Behandlungsbedarfen entstehen könnten.
Nach Einschätzung des Verbandes widersprechen die Pläne den laufenden Reformbemühungen zur Modernisierung und Effizienzsteigerung der ambulanten Versorgung. Ziel dieser Reformen sei es eigentlich, die Praxen zu entlasten und Versorgungsprozesse stärker zu digitalisieren und zu strukturieren.
Der Hartmannbund appelliert an die politisch Verantwortlichen, die geplanten Maßnahmen erneut zu prüfen. Nach Auffassung des Verbandes stellen sie keinen geeigneten Ansatz dar, um steigende Krankenstände zu adressieren oder die Versorgungsstrukturen zu verbessern. Statt zusätzlicher Pflichten für Arztpraxen fordert der Verband Maßnahmen, die eine bessere Patientensteuerung ermöglichen und gleichzeitig die vorhandenen Ressourcen im Gesundheitswesen effizienter nutzen.




