BARMER: 3,5 Millionen Klinikfälle potenziell ambulant behandelbar

Jeder fünfte vollstationäre Fall 2025 weist laut Versorgungskompass Ambulantisierungspotenzial auf – AOP-Erweiterungen und Hybrid-DRGs erstmals berücksichtigt

Knapp 3,5 Millionen vollstationäre Krankenhausfälle hätten im Jahr 2025 nach Berechnungen der BARMER grundsätzlich auch ambulant behandelt werden können. Das entspricht jedem fünften stationären Fall. Der erweiterte BARMER-Versorgungskompass zeigt zugleich erhebliche regionale Unterschiede und berücksichtigt erstmals die Erweiterungen des AOP-Katalogs sowie die seit 2024 eingeführten Hybrid-DRGs.

Gegenüber 2019 ist die Zahl der als ambulantisierbar eingestuften Krankenhausfälle zurückgegangen. Damals waren es nach Angaben der BARMER noch gut 4,5 Millionen bzw. 24 Prozent aller vollstationären Fälle.

Die Krankenkasse sieht darin erste Effekte der politischen Maßnahmen zur Ambulantisierung, hält das bestehende Potenzial jedoch weiterhin für erheblich. „Es muss deutlich mehr getan werden, um das verbleibende Ambulantisierungspotenzial zu heben“, erklärt BARMER-Vorstandsvorsitzender Prof. Christoph Straub.

Ambulantisierungspotenzial liegt bundesweit zwischen 17,8 und 21,9 Prozent

Der Versorgungskompass weist das errechnete Potenzial erstmals im Jahresverlauf bis auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte aus. Die BARMER berücksichtigt dabei auch die sukzessive Erweiterung des Katalogs für ambulantes Operieren sowie die Einführung der Hybrid-DRGs als sektorengleiche Vergütung.

In allen Bundesländern verbleibt demnach ein relevantes Ambulantisierungspotenzial. Für 2025 reicht der Anteil der grundsätzlich ambulant behandelbaren vollstationären Fälle von 17,8 Prozent in Bremen bis 21,9 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern.

Die BARMER fordert vor diesem Hintergrund, weitere geeignete Eingriffe in den AOP-Katalog aufzunehmen und die sektorengleiche Vergütung weiterzuentwickeln.

Als ambulantisierbar gelten dabei nicht automatisch sämtliche entsprechend identifizierten Fälle. Medizinische oder patientenbezogene Faktoren wie Gebrechlichkeit können auch bei grundsätzlich ambulant möglichen Eingriffen eine stationäre Versorgung erforderlich machen.

Weitere 4,67 Millionen ambulant-sensitive Krankenhausfälle

Davon unterscheidet die Analyse sogenannte ambulant-sensitive Krankenhausfälle (ASK). Dabei handelt es sich um stationäre Aufnahmen, die nach der zugrunde liegenden Methodik durch eine frühzeitige oder effektivere ambulante Versorgung potenziell hätten verhindert werden können.

Für 2025 weist der Versorgungskompass 4,67 Millionen solcher Fälle aus. Dazu gehören unter anderem stationäre Behandlungen im Zusammenhang mit Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz, schwerer Hypertonie oder Asthma sowie bestimmte akute Erkrankungen.

Hier fallen die regionalen Unterschiede deutlich größer aus. Auf Bundeslandebene reicht die Spanne von 4.123 ASK je 100.000 Einwohner in Baden-Württemberg bis 7.010 in Thüringen. Auf Kreisebene reicht sie von 3.358 Fällen je 100.000 Einwohner in Heidelberg bis 9.877 in Pirmasens.

BARMER-Daten auf Bevölkerung hochgerechnet

Grundlage des Versorgungskompasses sind Abrechnungsdaten der BARMER. Die Ergebnisse wurden anhand der Bevölkerungsdaten des Statistischen Bundesamtes nach Alter und Geschlecht auf die jeweilige Bevölkerung der Kreise und kreisfreien Städte hochgerechnet.

Mit der Erweiterung um aktuelle AOP-Regelungen und Hybrid-DRGs soll der Versorgungskompass künftig detaillierter abbilden, wie sich das Ambulantisierungspotenzial im Zuge der sektoralen Neuordnung der Versorgung entwickelt.