Lungenklinik Hemer führt ION-System für Bronchoskopie ein
Roboterassistierte Diagnostik soll Früherkennung von Lungenkrebs in NRW verbessern
Die DGD Lungenklinik Hemer hat ein neues roboterassistiertes Bronchoskopiesystem des Typs ION in Betrieb genommen und damit einen weiteren technologischen Schritt in der pneumologischen Diagnostik vollzogen. Die Einführung erfolgt im Kontext des seit April 2026 gestarteten gesetzlichen Lungenkrebsscreenings für Risikogruppen. Grundlage sind Angaben der Klinik vom 2026.
Die Fachklinik, die seit 2009 als von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziertes Lungenkrebszentrum geführt wird, erweitert damit ihr diagnostisches Portfolio um ein Verfahren zur hochpräzisen, minimalinvasiven Gewebeentnahme in der Lunge. Ergänzt wird die neue Technologie durch ein bereits zuvor installiertes Cone-Beam-CT, das dreidimensionale Echtzeitbildgebung während bronchoskopischer Eingriffe ermöglicht.
Mit der Einführung reagiert die Klinik nach eigenen Angaben auf die steigenden Anforderungen der Lungenkrebsfrüherkennung. Seit dem 1. April 2026 ist das Lungenkrebsscreening für langjährige Raucherinnen und Raucher ab 50 Jahren Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung. Ziel ist eine frühere Detektion von Tumoren, da Lungenkrebs bislang häufig erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird.
Die Kombination aus Niedrigdosis-CT-Screening und weiterführender Diagnostik stellt das Versorgungssystem jedoch vor neue strukturelle Anforderungen. Nach Einschätzung der Klinik treten bei etwa 40 Prozent der Screening-CTs auffällige Befunde auf, die weiter abgeklärt werden müssen, während sich weniger als fünf Prozent als maligne erweisen. Dies erhöht den Bedarf an hochpräziser Diagnostik im nachgelagerten Versorgungsschritt.
Das neue ION-System ermöglicht in Verbindung mit Cone-Beam-CT-Technologie eine robotergestützte Navigation innerhalb der Bronchien. Dadurch können auch kleine oder peripher gelegene Lungenherde, die mit konventioneller Technik schwer erreichbar sind, gezielt biopsiert werden. Die Eingriffe erfolgen minimalinvasiv unter Narkose, wobei die Position des Instruments kontinuierlich bildgestützt kontrolliert wird.
Die DGD Lungenklinik Hemer zählt nach eigenen Angaben zu wenigen Zentren in Europa, die diese Technologiekombination einsetzen. Zusätzlich wird während der Eingriffe eine sofortige zytologische Analyse der Gewebeproben durchgeführt, was eine erste diagnostische Einschätzung noch im laufenden Verfahren ermöglicht.
Die Einführung des Systems ist Teil einer breiteren strategischen Weiterentwicklung des Standorts, der als eines der größten spezialisierten Fachkrankenhäuser für pneumologische Erkrankungen in Deutschland gilt. Neben der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit komplexen Lungenerkrankungen spielt auch die strukturelle Verzahnung von Screening, Diagnostik und Therapie eine zunehmend wichtige Rolle.
Parallel wird das Screening selbst überwiegend in radiologischen Praxen durchgeführt, die teilweise bereits KI-gestützte Bildanalyseverfahren einsetzen. Die endgültige Befundung erfolgt jedoch durch Fachärztinnen und Fachärzte, bevor bei Auffälligkeiten eine Überweisung in spezialisierte Zentren erfolgt.
Mit der Kombination aus Screening-Netzwerk, KI-gestützter Bildauswertung und hochspezialisierter interventioneller Diagnostik entsteht damit ein zunehmend vernetztes Versorgungssystem in der Lungenkrebsfrüherkennung. Für Kliniken wie die Lungenklinik Hemer ergibt sich daraus eine wachsende Bedeutung als zentrale Anlaufstelle für komplexe Abklärungsdiagnostik und interventionelle Pneumologie.




