Kreis Lippe stellt Notarztversorgung strukturell neu auf
Notarztmanagement gGmbH bündelt Planung, Personal und Organisation – digitales System zeigt erste Erfolge
Der Kreis Lippe hat die notärztliche Versorgung im Kreisgebiet neu organisiert und mit der Kreis Lippe Notarztmanagement gGmbH eine eigenständige, gemeinnützige Struktur geschaffen. Ziel ist es, die Verfügbarkeit von Notärztinnen und Notärzten dauerhaft sicherzustellen und gleichzeitig Planungsaufwand sowie Bürokratie deutlich zu reduzieren.
Notärztliche Einsätze sind ein zentraler Bestandteil der Notfallversorgung – etwa bei Herzinfarkten, Schlaganfällen oder schweren Unfällen. Damit diese Leistungen rund um die Uhr zuverlässig erbracht werden können, ist eine stabile personelle und organisatorische Grundlage erforderlich. Genau hier setzt die neu gegründete Gesellschaft an.
Bisher hatte das Klinikum Lippe im Auftrag des Kreises die Planung und Besetzung der Notarztdienste übernommen. Angesichts zunehmender Personalengpässe im ärztlichen Bereich wurde diese Aufgabe jedoch immer aufwendiger. Um alle Dienste abzudecken, mussten vermehrt Honorarkräfte und niedergelassene Ärztinnen und Ärzte eingebunden werden. Das erschwerte eine verlässliche Planung und führte zu einem erheblichen administrativen Mehraufwand – insbesondere für das Klinikum.
Mit der Ausgliederung der Notarztdienstorganisation in eine eigene gGmbH hat der Kreis Lippe nun eine klare Zuständigkeit geschaffen. Die neue Gesellschaft bündelt sämtliche organisatorischen, personellen und administrativen Aufgaben rund um den Notarztdienst. Dazu zählen die Einsatz- und Dienstplanung, die Gewinnung und Betreuung von Notärztinnen und Notärzten sowie die Abrechnung und Verwaltung.
Ein wesentlicher Baustein des neuen Modells ist die Einführung eines digitalen Dienstplanungssystems („Blaulichtplaner“) an allen Notarztstandorten. Die Software ermöglicht eine flexible Dienstbewerbung per Smartphone, einen unkomplizierten Diensttausch und eine automatisierte Abrechnung. Dadurch werden Prozesse transparenter und der bürokratische Aufwand deutlich reduziert.
Die neue Struktur zeigt bereits Wirkung: Der Großteil der Notarztdienste wird weiterhin durch Ärztinnen und Ärzte des Klinikums Lippe abgedeckt, zusätzlich steht der Notarztmanagement gGmbH inzwischen ein wachsender Pool von rund 60 externen Notärztinnen und Notärzten zur Verfügung. Damit konnte die Einsatzsicherheit spürbar erhöht werden.
Auch über den Kreis Lippe hinaus stößt das Modell auf Interesse. Der Kreis Höxter hat signalisiert, sich an der Notarztmanagement gGmbH beteiligen zu wollen; entsprechende Gespräche laufen bereits. Dies unterstreicht die Übertragbarkeit des Konzepts auf andere Regionen mit ähnlichen Herausforderungen.
Rechtliche Grundlage der neuen Struktur ist der gesetzliche Auftrag des Kreises nach § 6 Rettungsgesetz NRW, eine bedarfsgerechte und flächendeckende Notfallrettung sicherzustellen. Die Gesellschaft verfolgt ausschließlich gemeinnützige und mildtätige Zwecke und arbeitet nicht gewinnorientiert. Im Mittelpunkt steht die Sicherung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung.
In enger Zusammenarbeit mit dem Kreis Lippe, dem Klinikum Lippe, den Rettungsdienstträgern sowie weiteren Partnern im Gesundheitswesen soll die notärztliche Versorgung langfristig stabilisiert und weiterentwickelt werden.




