Hinterland-Klinik: Positives Fazit nach 100 Tagen

Landkreis Marburg-Biedenkopf setzt auf Stabilisierung und Investitionen

Rund 100 Tage nach der Übernahme des Krankenhauses Biedenkopf zieht der Landkreis Marburg-Biedenkopf eine positive Zwischenbilanz. Landrat Jens Womelsdorf und Geschäftsführer Konstantin von Heydwolff sehen die „Hinterland-Klinik“ auf einem stabilen Kurs. Erste Investitionen wurden angestoßen, die Personalsituation entwickelt sich positiv. Das geht aus einer aktuellen Mitteilung des Landkreises hervor.

Seit dem 1. Januar 2026 ist der Landkreis Träger der Einrichtung, nachdem das ehemalige DRK-Krankenhaus im Zuge eines Insolvenzverfahrens übernommen wurde. Der Betrieb erfolgt über eine neu gegründete Gesellschaft. Ziel der Übernahme war es, die stationäre Versorgung im ländlich geprägten Hinterland langfristig zu sichern und strukturell neu auszurichten.

Nach Angaben der Verantwortlichen zeigen sich erste Fortschritte im Personalbereich. Die Zahl der Mitarbeitenden konnte stabilisiert und durch Neueinstellungen weiterentwickelt werden. Aktuell sind rund 220 Beschäftigte in der Klinik tätig. Gleichzeitig wird angestrebt, den Einsatz von Leiharbeitskräften schrittweise zu reduzieren. Für das Krankenhausmanagement gilt dies als wichtiger Schritt zur Kostendämpfung und zur Stärkung der internen Organisationsstruktur.

Parallel dazu wurden erste Investitionsmaßnahmen eingeleitet. Im Fokus steht unter anderem die Modernisierung der Ausstattung. So sollen schrittweise vollständig elektrische Klinikbetten eingeführt werden, die sowohl den Komfort für Patientinnen und Patienten erhöhen als auch das Pflegepersonal entlasten. Darüber hinaus ist die Anschaffung mobiler EKG-Monitore und Defibrillatoren geplant, die eine durchgängige Überwachung von Patientendaten ermöglichen – auch im Zusammenspiel mit dem Rettungsdienst. Für diese Maßnahmen sind Investitionen in Höhe von rund 100.000 Euro vorgesehen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der radiologischen Infrastruktur. Der Einbau einer neuen Röntgenanlage wurde bereits begonnen und soll die diagnostischen Möglichkeiten der Klinik in den kommenden Monaten erweitern. Hierfür werden rund 300.000 Euro investiert. Ergänzend plant die Geschäftsführung, interne Abläufe zu optimieren und insbesondere die Digitalisierung weiter voranzutreiben.

Auch bei den Leistungszahlen zeigt sich eine leichte positive Entwicklung. Im ersten Quartal 2026 wurden rund 950 Fälle behandelt, was einem Anstieg von etwa drei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Die Belegung lag durchschnittlich bei 46 Betten. Auffällig ist der hohe Anteil älterer Patientinnen und Patienten: Über 60 Prozent sind älter als 65 Jahre. Dies unterstreicht die Bedeutung der Klinik für die wohnortnahe Versorgung in der Region.

Für die kommenden Monate steht die Stabilisierung des Betriebs im Vordergrund. Gleichzeitig analysiert der Landkreis die Auswirkungen der aktuellen Krankenhausreform, insbesondere mit Blick auf mögliche Förderinstrumente für ländliche Standorte. Im zweiten Halbjahr 2026 soll zudem eine Medizinstrategie für das Jahr 2027 entwickelt werden.

Der Fall der Hinterland-Klinik verdeutlicht aus Managementsicht die zunehmende Rolle kommunaler Träger bei der Sicherstellung regionaler Versorgungsstrukturen. Neben finanzieller Unterstützung sind klare strategische Konzepte und gezielte Investitionen entscheidend für eine nachhaltige Entwicklung.