Bethlehem-Krankenhaus Stolberg meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an
Alexianer-Klinik mit 1.200 Beschäftigten soll im laufenden Betrieb saniert werden – Neuordnung von Leistungsbereichen und Personalaufwand geplant
Das Bethlehem Gesundheitszentrum in Stolberg hat beim Amtsgericht Aachen die Anordnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Wie die mehrheitlich beteiligte Alexianer Gruppe am 3. November 2026 mitteilte, soll das Krankenhaus während des Verfahrens uneingeschränkt weiterbetrieben werden. Hintergrund sind erhebliche wirtschaftliche Belastungen durch steigende Betriebs- und Personalkosten sowie gesundheitspolitische Rahmenbedingungen. Die Sanierung könnte Veränderungen bei den Leistungsbereichen und der Personalstruktur nach sich ziehen.
Nach Angaben der Geschäftsführung haben insbesondere gestiegene Kosten für Energie, Medizinprodukte und Personal die wirtschaftliche Situation des Bethlehem Gesundheitszentrums verschärft. Zusätzlich verweist das Krankenhaus auf finanzielle Auswirkungen des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes, die am Standort Stolberg nach eigenen Berechnungen zu einer weiteren Belastung in Millionenhöhe führen.
Wie der WDR berichtet, hat das Krankenhaus seit der Übernahme der Mehrheit durch die Alexianer Gruppe im Jahr 2021 zunehmend Verluste verzeichnet. Bis 2024 hätten sich die Verluste auf nahezu elf Millionen Euro summiert. Das Ergebnis des Jahres 2025 sei darin noch nicht berücksichtigt. (1)
Mit dem Eigenverwaltungsverfahren will die Geschäftsführung die wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen unter gerichtlicher Aufsicht bearbeiten. Ziel ist eine langfristig tragfähige Weiterführung des Krankenhauses.
Klinikbetrieb und Gehälter zunächst abgesichert
Die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten soll während des Verfahrens uneingeschränkt fortgeführt werden. Auch die Löhne und Gehälter der rund 1.200 Beschäftigten sind nach Angaben des Trägers abgesichert. Lieferanten sollen für neue Lieferungen und Leistungen weiterhin pünktlich bezahlt werden.
Die Geschäftsführung bleibt im Amt und führt die Sanierung gemeinsam mit Rechtsanwalt Till Forster von White & Case als Generalhandlungsbevollmächtigtem durch. Das Amtsgericht Aachen hat Dr. Mark Boddenberg von der Kanzlei GÖRG zum vorläufigen Sachwalter bestellt.
Andere Standorte der Alexianer Gruppe sind von dem Verfahren nicht betroffen.
Leistungsbereiche und Personalaufwand werden überprüft
Ein wesentlicher Bestandteil der geplanten Restrukturierung ist die Überprüfung der medizinischen Leistungsbereiche und des Personalaufwands. Nach Angaben der beteiligten Sanierungsexperten sollen die Versorgungsstrukturen stärker am regionalen Bedarf ausgerichtet werden.
Welche konkreten Veränderungen sich daraus für die einzelnen Abteilungen und Beschäftigten ergeben, steht bislang nicht fest. Wie der WDR berichtet, hält die Geschäftsführung einen Stellenabbau für möglich. Die Restrukturierung soll spätestens bis 2029 abgeschlossen werden.
Das Bethlehem Gesundheitszentrum verfügt über sechs Fachkliniken und eine Radiologie. Besondere Bedeutung hat der Standort für die regionale Geburtshilfe: Das Krankenhaus betreibt die größte Geburtsklinik der Städteregion Aachen, an die eine Kinderklinik angeschlossen ist.
Die Alexianer Gruppe hält seit Juli 2021 die Mehrheit der Anteile an dem Krankenhaus. Ziel des Sanierungsverfahrens bleibt nach Angaben der Verantwortlichen der Erhalt des Standorts Stolberg und seiner wohnortnahen medizinischen Versorgung.







