Modellrechnung zeigt hohe Personalkosten im OP deutscher Kliniken
Studie aus universitätsmedizinischer Unfallchirurgie beziffert OP-Minutenkosten und Stationskosten detailliert
Eine modellhafte Kalkulation aus dem Bereich der universitären Unfallchirurgie zeigt, dass der Großteil der Krankenhauskosten auf ärztliches und pflegerisches Personal entfällt. Die Analyse berechnet erstmals systematisch Personalkosten pro OP-Minute sowie pro Bett und 24-Stunden-Tag für Intensiv- und Normalstation. Im OP ergeben sich durchschnittliche Personalkosten von 5,63 Euro pro Minute.
Die Personalkosten stellen in deutschen Krankenhäusern mit rund zwei Dritteln den größten Kostenblock dar und werden maßgeblich durch den ärztlichen und pflegerischen Dienst bestimmt. Vor diesem Hintergrund untersucht eine modellhafte Kalkulation aus einer universitären Unfallchirurgie die Kostenstruktur in besonders ressourcenintensiven Bereichen der stationären Versorgung, darunter Operationssaal, Intensivstation und periphere Stationen.
Grundlage der Berechnungen waren die Entgelte nach tariflicher Eingruppierung des Jahres 2024 sowie modellhafte Annahmen zur Personalbesetzung in einer universitären Unfallchirurgie. Ziel der Analyse war es, die Personalkosten nicht nur auf Gesamtbereichsebene, sondern differenziert auf OP-Minuten sowie auf stationäre Behandlungstage herunterzubrechen und damit eine bessere Vergleichbarkeit betrieblicher Abläufe zu ermöglichen.
Für den Operationsbereich wurde ein durchschnittlicher Personalkostensatz von 5,63 Euro pro OP-Minute ermittelt. Auf dieser Basis wurden exemplarische Eingriffe kalkuliert. Für eine Gammanagelosteosynthese bei proximaler Femurfraktur mit einer durchschnittlichen OP-Dauer von 53 Minuten ergeben sich Personalkosten von rund 300 Euro. Für eine winkelstabile Plattenosteosynthese bei proximaler Humerusfraktur mit durchschnittlich 101 Minuten OP-Zeit steigen die Personalkosten auf etwa 567 Euro.
Deutlich wird damit die hohe Sensitivität der Kostenentwicklung gegenüber der Operationsdauer. Bereits geringe zeitliche Unterschiede im OP-Ablauf führen zu signifikanten Kostenabweichungen, was die betriebswirtschaftliche Relevanz effizienter OP-Planung und Prozesssteuerung unterstreicht.
Auch für die stationäre Versorgung wurden detaillierte Berechnungen vorgenommen. Auf der Intensivstation ergeben sich Personalkosten von 807 Euro pro Bett und 24-Stunden-Tag. Für periphere Stationen liegt dieser Wert bei 192 Euro pro Bett und Tag. Die Differenz verdeutlicht die stark unterschiedliche Personalintensität je Versorgungsbereich und die damit verbundenen Kostenstrukturen innerhalb eines Krankenhauses.
Die Ergebnisse der Modellrechnung zeigen, dass eine detaillierte betriebswirtschaftliche Betrachtung einzelner Versorgungsbereiche möglich ist und wertvolle Hinweise für die Steuerung von Personalressourcen liefern kann. Insbesondere im OP-Bereich wird deutlich, dass die Personalkosten einen zentralen Hebel für die Wirtschaftlichkeit darstellen und eng mit Prozesszeiten verknüpft sind.
Für das Krankenhausmanagement ergibt sich daraus ein relevantes Steuerungsinstrument, das sowohl für interne Kostenanalysen als auch für strategische Entscheidungen im Bereich Personalplanung und Leistungsentwicklung genutzt werden kann. Darüber hinaus lässt sich das Modell grundsätzlich auf andere Krankenhäuser und Versorgungsstufen übertragen, sofern die jeweiligen strukturellen und personellen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.
Die Studie unterstreicht damit die zunehmende Bedeutung transparenter Kostenmodelle im Krankenhausbetrieb, insbesondere vor dem Hintergrund steigender Personalkosten, Fachkräftemangel und wachsender wirtschaftlicher Anforderungen im stationären Sektor.




