Umfrage: Klinikschließungen belasten Versorgung und Standortattraktivität

Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ befragt Betroffene – 95,5 Prozent der teilnehmenden Bürger sehen medizinische Versorgung verschlechtert

Geschlossene Krankenhausstandorte werden von den Teilnehmern einer Umfrage der Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ überwiegend negativ bewertet. 95,5 Prozent der 115 befragten Bürger geben an, dass sich die medizinische Versorgung infolge einer Klinikschließung verschlechtert habe. Auch für die Attraktivität der betroffenen Regionen sehen die Befragten erhebliche Folgen. Die Aussagekraft der Erhebung ist aufgrund der Auswahl und Zahl der Teilnehmer allerdings begrenzt.

Die Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ hat die Auswirkungen bereits erfolgter Krankenhaus- und Standortschließungen in Bayern untersucht. Dazu wurden Bürger beziehungsweise Petitionsunterzeichner aus betroffenen Regionen sowie Bürgermeister angeschrieben.

Als Beispiele für den Strukturwandel nennt die Initiative unter anderem Hersbruck, Schongau, Roding, Ebern, Selb und Werneck. Die Aktionsgruppe beschäftigt sich nach eigenen Angaben seit 2020 mit Krankenhausschließungen im Freistaat und will insbesondere deren Auswirkungen auf ländliche Regionen untersuchen.

An der jetzt veröffentlichten Befragung beteiligten sich 115 Bürger. Zusätzlich liegen Antworten von vier Bürgermeistern betroffener Regionen vor.

95,5 Prozent sehen Verschlechterung der medizinischen Versorgung

Nach Angaben der Aktionsgruppe bewerteten 95,5 Prozent der befragten Bürger die medizinische Versorgung nach der jeweiligen Klinikschließung als verschlechtert. Zugleich betrachteten 64,9 Prozent die Auswirkungen auf die Attraktivität ihrer Region als sehr negativ. Weitere 30,6 Prozent bewerteten die Folgen in dieser Hinsicht als moderat negativ.

Die geschlossenen Einrichtungen hatten aus Sicht der Befragten überwiegend eine wichtige Funktion für die regionale Versorgung. 96,4 Prozent ordneten das jeweils betroffene Haus als essenzielles beziehungsweise potenziell lebensrettendes Allgemeinkrankenhaus einschließlich Basisnotfallversorgung ein.

Mehr als die Hälfte der Standorte anschließend ambulant genutzt

Die Aktionsgruppe fragte zudem nach der weiteren Verwendung der geschlossenen Krankenhausstandorte.

Nach den Angaben der Befragten wurden 53,2 Prozent in ambulante Arztzentren oder Medizinische Versorgungszentren (MVZ) umgewandelt. Bei 19,8 Prozent stehe das frühere Krankenhausgebäude inzwischen leer.

Weitere 7,2 Prozent der ehemaligen Krankenhausstandorte würden als Pflegeeinrichtungen genutzt. Bei 4,5 Prozent erfolgte demnach eine Umwandlung in eine Rehabilitationseinrichtung und bei 5,4 Prozent eine Nutzung außerhalb des Gesundheitsbereichs.

Die Ergebnisse verdeutlichen damit zugleich, dass eine Klinikschließung nicht zwangsläufig den vollständigen Wegfall einer medizinischen Nutzung des Standortes bedeutet. In einem erheblichen Teil der von der Umfrage erfassten Fälle wurden stationäre Strukturen durch ambulante Versorgungsangebote ersetzt.

Bürgermeister bewerten Auswirkungen zurückhaltender

Deutlich weniger eindeutig fallen die Antworten der beteiligten Bürgermeister aus. Von den vier befragten beziehungsweise antwortenden Bürgermeistern sahen 50 Prozent eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung. Die übrigen 50 Prozent waren unentschieden.

Aufgrund dieser sehr kleinen Zahl lassen sich daraus allerdings keine belastbaren Aussagen über die Einschätzung bayerischer Kommunalpolitiker insgesamt ableiten.

Die Aktionsgruppe sieht dennoch einen Unterschied zwischen der Wahrnehmung der betroffenen Bevölkerung und der kommunalpolitischen Bewertung. Als mögliche Erklärung führt sie an, dass Bürgermeister teilweise selbst in Entscheidungsprozesse über strukturell oder wirtschaftlich begründete Veränderungen von Krankenhausstandorten eingebunden gewesen sein könnten.

Weitere Klinikschließungen im Zuge des Strukturwandels befürchtet

Die Initiative erwartet, dass der laufende Umbau der Krankenhauslandschaft weitere Standorte unter erheblichen Veränderungsdruck setzen wird. Sie verweist dabei auf die Krankenhausreform und die wirtschaftliche Situation vieler Kliniken.

Als mögliche Folgen weiterer Schließungen nennt die Aktionsgruppe insbesondere längere Wege zum nächstgelegenen Krankenhaus und Veränderungen der regionalen ärztlichen Versorgung.

Die vorgelegte Befragung kann allerdings nicht belegen, in welchem Umfang solche Auswirkungen künftig tatsächlich eintreten werden. Ebenso lässt sich aus den Ergebnissen aufgrund der gezielten Befragung Betroffener keine repräsentative Aussage für die gesamte bayerische Bevölkerung ableiten.

Dennoch liefert die Erhebung Hinweise darauf, welche Folgen des Krankenhausstrukturwandels von Menschen in bereits betroffenen Regionen besonders stark wahrgenommen werden. Neben der Erreichbarkeit medizinischer Versorgung spielt dabei offenbar auch die Bedeutung eines Krankenhauses für die Attraktivität und Infrastruktur einer Region eine wesentliche Rolle.

Die Aktionsgruppe kündigt an, die Auswirkungen weiterer Strukturveränderungen und Klinikschließungen künftig weiter zu beobachten und zu dokumentieren.