Amberg: Krankenhausreform als Chance und Risiko für die Region

Experten und Kommunalvertreter sehen Reformbedarf – Uneinigkeit über künftige Klinikstrukturen

Im Amberger Congress Centrum (ACC) hat die ÖDP eine Podiumsdiskussion zur Krankenhausreform organisiert. Wie OTV.de berichtet, herrschte unter den Teilnehmenden Einigkeit darüber, dass eine Reform des Krankenhauswesens dringend notwendig ist. Die konkreten Auswirkungen auf die Kliniken in der Region seien jedoch noch nicht vollständig absehbar.

Nach Angaben von Franz Badura treibt die Stadt Amberg seit Jahren die Zusammenarbeit mit Sulzbach-Rosenberg voran. Eine Kooperation der Krankenhäuser sei aus seiner Sicht ein zentraler Schritt, um Leistungsangebote zu sichern. Ähnlich äußerte sich Manfred Wendl, Vorstand des Klinikum St. Marien Amberg. Ziel der Krankenhausreform sei es, mit weniger Standorten eine bessere Versorgung zu erreichen.

Auch Ingo Morell, Präsident der Deutsche Krankenhausgesellschaft, verwies auf die begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen. Die anstehenden Ruhestände der Babyboomer-Generation würden den Druck auf die Krankenhäuser zusätzlich erhöhen. Er gehe daher davon aus, dass die Zahl der Krankenhausstandorte künftig sinken werde, um den Personal- und Finanzbedarf besser steuern zu können.

Während Wendl in der Reform die Möglichkeit sieht, die wirtschaftliche Situation in der Region zu verbessern und das Angebot für die Bevölkerung auszubauen, äußerte Richard Reisinger, Landrat des Landkreises Amberg-Sulzbach, deutliche Vorbehalte gegenüber einer möglichen Fusion des Klinikums Amberg mit dem St. Anna Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg. Eine Zusammenlegung könne aus seiner Sicht die Versorgungssicherheit gefährden.

Reisinger betonte zugleich, dass er die Notwendigkeit der Krankenhausreform grundsätzlich anerkenne. Gegen eine künftige Kooperation spreche nichts, sofern sie gleichberechtigt erfolge und sowohl den Unternehmen als auch der regionalen Patientenversorgung diene. Eine vollständige Fusion hingegen berge Risiken wie Zentralisierungseffekte, längere Wartezeiten, den Verlust von Fachkräften sowie wirtschaftliche Nachteile für die Region.

Abschließend wies Roland Engehausen, Geschäftsführer der Bayerische Krankenhausgesellschaft, darauf hin, dass eine freiwillige Zusammenarbeit entscheidend sei. Gelinge diese nicht, würden im Herbst behördliche Entscheidungen über die künftige Krankenhausstruktur getroffen.