Zi-Studie: Ambulante Notfälle verlagern sich zunehmend in die Kliniken

Ärztlicher Bereitschaftsdienst bleibt wichtige Säule der Notfallversorgung – regionale Unterschiede zwischen Städten und ländlichen Regionen

Die ambulante Notfallversorgung außerhalb der regulären Sprechstundenzeiten hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Eine aktuelle Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zeigt: Zwischen 2015 und 2024 ist die Zahl ambulant versorgter Notfälle leicht zurückgegangen. Gleichzeitig verschieben sich die Versorgungsanteile zwischen dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) und den Notaufnahmen der Krankenhäuser.

Nach den Ergebnissen des Zi-Versorgungsatlas sank die Zahl der ambulant versorgten Notfälle außerhalb der Sprechstundenzeiten von rund 13,5 Millionen Fällen im Jahr 2015 auf etwa 13 Millionen Fälle im Jahr 2024. Dies entspricht einem Rückgang von knapp vier Prozent.

Dabei zeigt sich eine unterschiedliche Entwicklung der beiden zentralen Versorgungsebenen: Während die Fallzahlen im Ärztlichen Bereitschaftsdienst zurückgingen, verzeichneten die Notaufnahmen der Krankenhäuser einen leichten Anstieg.

Rückgang im Bereitschaftsdienst – Zunahme in Krankenhausnotaufnahmen

Im Ärztlichen Bereitschaftsdienst reduzierte sich die Zahl der behandelten Fälle zwischen 2015 und 2024 um rund 700.000 Fälle. Damit sank die Inanspruchnahme von 7,2 Millionen auf 6,5 Millionen Fälle beziehungsweise um 9,2 Prozent.

Parallel dazu stieg die Zahl der ambulant versorgten Notfälle in den Notaufnahmen der Krankenhäuser von 6,2 Millionen auf 6,5 Millionen Fälle. Dies entspricht einer Zunahme um rund 300.000 Fälle beziehungsweise 2,6 Prozent.

Trotz dieser Entwicklung bleibt der Ärztliche Bereitschaftsdienst nach Einschätzung des Zi eine zentrale Säule der ambulanten Notfallversorgung. Im Jahr 2024 wurden 50,3 Prozent aller ambulanten Notfallkontakte außerhalb der regulären Praxiszeiten über den ÄBD versorgt.

„Der Ärztliche Bereitschaftsdienst bleibt außerhalb der regulären Praxiszeiten weiterhin eine tragende Säule bei der Notfallversorgung“, erklärt Zi-Vorstandsvorsitzender Dr. Dominik von Stillfried. Sollte die rückläufige Nutzung des Bereitschaftsdienstes auf eine dauerhafte strukturelle Verschiebung hinweisen, würde dies den Zielen der geplanten Notfallreform entgegenlaufen.

Regionale Unterschiede bei der Notfallversorgung

Die Analyse zeigt erhebliche regionale Unterschiede bei der Nutzung der verschiedenen Versorgungsangebote. Besonders auffällig ist ein West-Ost-Gefälle beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst. In west- und süddeutschen Regionen wurden höhere Inanspruchnahmeraten festgestellt, während ostdeutsche Bundesländer über die Jahre hinweg geringere Fallzahlen pro Einwohner aufwiesen.

Bei den Krankenhausnotaufnahmen zeigt sich hingegen ein heterogeneres Bild. Die Entwicklungen unterscheiden sich stärker zwischen einzelnen Regionen.

In 145 Kreisen und kreisfreien Städten – etwa 36 Prozent aller untersuchten Regionen – ging die Inanspruchnahme sowohl des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes als auch der Notaufnahmen zurück.

In 151 Regionen (38 Prozent) kam es dagegen zu einer Verlagerung zulasten der Krankenhausnotaufnahmen. In 79 Kreisen (20 Prozent) wurde eine Verschiebung zugunsten der Notaufnahmen beobachtet. Besonders betroffen waren dabei häufig eher ländlich strukturierte Regionen.

Notfallreform muss regionale Versorgungsstrukturen berücksichtigen

Nach Einschätzung des Zi lassen sich die unterschiedlichen Entwicklungen nicht allein durch einzelne Faktoren erklären. Entscheidend seien unter anderem regionale Versorgungsangebote, die Bekanntheit alternativer Versorgungseinrichtungen wie der Telefonnummer 116117 sowie Unterschiede bei Gesundheitskompetenz und Patientensouveränität.

Darüber hinaus haben sich die Rahmenbedingungen der Notfallversorgung in den vergangenen Jahren verändert. Dazu gehören unter anderem der Ausbau telemedizinischer Angebote, neue Kooperationsmodelle zwischen ambulantem und stationärem Bereich sowie veränderte Patientensteuerung.

„Unsere Analyse unterstreicht die Notwendigkeit, die Notfallversorgung in Deutschland regional zu betrachten und regional differenziert weiterzuentwickeln“, betont von Stillfried.

Gerade vor dem Hintergrund der geplanten Reform der Notfallversorgung gewinnt diese regionale Betrachtung an Bedeutung. Ziel der Reform ist es, Patientenströme besser zu steuern und die ambulanten sowie stationären Notfallstrukturen stärker miteinander zu verzahnen.

Datengrundlage der Untersuchung

Grundlage der Analyse waren bundesweite, krankenkassenübergreifende vertragsärztliche Abrechnungsdaten nach § 295 SGB V aus den Jahren 2015 bis 2024. Als Notfallkontakte wurden Fälle bewertet, bei denen spezielle notfallrelevante Abrechnungsziffern des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) oder regionale Abrechnungsziffern für Behandlungen außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten genutzt wurden.

Die Betrachtung erfolgte auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte. Die Ergebnisse wurden anhand von Bevölkerungsdaten regional gewichtet.

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