Schlaganfallversorgung in Hessen im Fokus

Fachleute diskutieren beim 9. Hessischen Schlaganfall-Symposium aktuelle Herausforderungen und Reformfolgen

Beim 9. Hessischen Schlaganfall-Symposium am 26. November 2025 in Frankfurt am Main standen die aktuellen Entwicklungen, strukturellen Herausforderungen und künftigen Perspektiven der Schlaganfallversorgung in Hessen im Mittelpunkt. Eingeladen hatten die Landesarbeitsgemeinschaft Qualitätssicherung Hessen (LAGQH) und die Landesärztekammer Hessen (LÄKH). Teilgenommen haben Vertreterinnen und Vertreter aus Medizin, Rettungsdienst, Rehabilitation, Krankenkassen, Ministerium sowie aus Selbsthilfeorganisationen.

In ihren Begrüßungsworten machten Dr. med. Christian Schwark (Vizepräsident der LÄKH), Claudia Ackermann (Vorsitzende des LAGQH-Lenkungsgremiums), Prof. Dr. Lars Timmermann (Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie) und Prof. Dr. med. Tobias Neumann-Haefelin (Sprecher des LAGQH-Fachausschusses Schlaganfall) deutlich, dass eine hochwertige Schlaganfallversorgung nur durch ein eng verzahntes Zusammenspiel von Rettungsdienst, Akutmedizin, Rehabilitation und Nachsorge gewährleistet werden kann. Zugleich betonten sie die Notwendigkeit, diese Strukturen im Zuge der Krankenhausreform zukunftssicher weiterzuentwickeln.

Ein zentraler thematischer Schwerpunkt lag auf den Auswirkungen des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes (KHVVG/KHAG) auf die Schlaganfallversorgung in Hessen. Dr. med. Björn Misselwitz (LAGQH) stellte aktuelle Daten zur stationären Versorgung vor und ordnete die Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre ein. Dr. Risch vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) ging auf die gesetzlichen Neuerungen ein und erläuterte die strukturellen Anforderungen an die relevanten Leistungsgruppen. Ergänzend beleuchteten Prof. Dr. med. Steffen Gramminger (Hessische Krankenhausgesellschaft) und Prof. Dr. med. Tobias Neumann-Haefelin die Reform aus Sicht der Krankenhäuser und der Deutschen Schlaganfallgesellschaft. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde herausgearbeitet, welche Rolle regionale Netzwerke und interdisziplinäre Kooperationen künftig für eine stabile Versorgung spielen können.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die präklinische Schlaganfallversorgung. Jörg Blau (Main-Taunus-Kreis) zeigte auf, wie sich Krankenhausstrukturen auf den Rettungsdienst auswirken. Dr. med. Christian Claudi (Universitätsklinikum Gießen) stellte das hessische prähospitale Schlaganfallkonzept vor, das gemeinsam von Thrombektomiezentren und Ärztlichen Leitern Rettungsdienst entwickelt wurde. Ergänzend berichtete PD Dr. med. Ferdinand Bohmann (Universitätsklinikum Frankfurt) über erfolgreiche Netzwerkstrukturen am Beispiel des Interdisziplinären Neurovaskulären Netzwerkes Rhein-Main (INVN), das auf eine enge Abstimmung zwischen Rettungsdienst und spezialisierten Zentren abzielt.

Im letzten Abschnitt rückte die stationäre Rehabilitation nach Schlaganfall in den Fokus. Prof. Dr. med. G.-M. von Reutern (Bad Nauheim) ordnete die Entwicklung der Stroke-Units historisch ein, während Dr. med. Jens Allendörfer (Asklepios Kliniken Bad Salzhausen) auf die aktuelle Versorgungslage hinwies. Er machte deutlich, dass trotz erheblicher Fortschritte in der Akutversorgung ein Rückgang der Reha-Inanspruchnahme in Hessen zu beobachten ist. Den wissenschaftlichen Abschluss bildete Prof. Dr. med. Christian Grefkes-Hermann (Universitätsklinikum Frankfurt), der die neurobiologischen Grundlagen der funktionellen Erholung und kortikalen Reorganisation nach Schlaganfall erläuterte.

Das Symposium verdeutlichte, dass Hessen über ein leistungsfähiges und interprofessionell vernetztes Versorgungssystem verfügt, zugleich jedoch vor erheblichen strukturellen Herausforderungen steht. Der fachliche Austausch unterstrich die Bedeutung von Kooperation, regionaler Vernetzung und kontinuierlicher Fortbildung als Grundlage einer sektorenübergreifenden, patientenzentrierten Schlaganfallversorgung. Die Mehrzahl der Präsentationen ist auf der Webseite der LAGQH abrufbar.

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