Qualitätsmanagement in der Schmerztherapie: AOK und aQua präsentieren neue QISA-Indikatoren
Um die Versorgung von Patienten mit chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen zu verbessern, haben der AOK-Bundesverband und das aQua-Institut das „Qualitätsindikatorensystem für die ambulante Versorgung“ (QISA) erweitert.
Der neue Themenband umfasst 13 Indikatoren, die insbesondere auf ein strukturiertes Management in der Primärversorgung und die Vermeidung von Fehlversorgungen abzielen.
Chronische Schmerzen führen ohne adäquate Langzeitbetreuung häufig zu einer weiteren Chronifizierung und verursachen dadurch erhebliche volkswirtschaftliche Kosten. Mit dem nun veröffentlichten Band C5 des QISA-Systems reagieren der AOK-Bundesverband und das Göttinger aQua-Institut auf die oft konstatierte Unter- und Fehlversorgung in diesem Bereich. Die Indikatoren sollen Arztnetze und Praxen dabei unterstützen, eine leitliniengerechte Therapie im hausärztlichen Sektor zu etablieren.
Fokus auf Prozess- und Strukturqualität
Das neue Indikatorensystem setzt primär an der Prozessqualität an, beleuchtet jedoch auch strukturelle Voraussetzungen für ein erfolgreiches Schmerzmanagement. Zentrale Bestandteile der neuen Empfehlungen sind:
Strukturiertes Management: Einführung von Arbeitsanweisungen für Praxisteams und Dokumentation bisheriger Behandlungsversuche.
Diagnostik & Monitoring: Einsatz validierter Instrumente zur Schmerzbeurteilung sowie die systematische Erhebung psychosozialer Risikofaktoren.
Therapieziele: Verbindliche Vereinbarung von Therapiezielen mit den Patienten sowie ein engmaschiges Monitoring des Schmerzmittel-Einsatzes.
Patientensicherheit: Aufklärung über Neben- und Wechselwirkungen sowie der bewusste Verzicht auf risikobehaftete Injektionen von nichtsteroidalen Antirheumatika.
Besonderes Augenmerk auf die Opioid-Verordnung
Ein Schwerpunkt des 160-seitigen Bandes liegt auf der adäquaten Verordnung von Opioiden. Insgesamt drei der 13 Indikatoren widmen sich diesem sensiblen Bereich, um den fachgerechten Umgang mit starken Analgetika und deren potenziellen Nebenwirkungen sicherzustellen. Zudem wird die Kooperation mit spezialisierten Einrichtungen wie Schmerzkliniken oder Hochschulambulanzen als Qualitätsmerkmal hervorgehoben.
Wissenschaftliche Fundierung und Förderung
Die Auswahl der Indikatoren erfolgte in einem mehrstufigen Reviewprozess durch Expertinnen der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg. Die Entwicklung ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF/BMFTR) geförderten Projekts RELIEF (Laufzeit 2022–2027), das ein spezifisches Versorgungsprogramm für Patienten mit hohem Schmerzmittelgebrauch evaluiert.
Mit der Ergänzung umfasst das QISA-System nun insgesamt 16 Themenbände mit über 200 Indikatoren, die als Open-Source-Ressource zur Qualitätsverbesserung in der ambulanten Medizin zur Verfügung stehen.






