Niedersachsen startet erste Pflegemodelle nach § 123 SGB XI
Emsland und Grafschaft Bentheim erhalten rund 1,73 Millionen Euro – Case Management soll Pflege, Medizin und soziale Angebote vernetzen
Niedersachsen startet in den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim die ersten „Gemeinsamen Modellvorhaben“ nach § 123 SGB XI. Die Projekte sind zum 1. September 2026 gestartet und sollen Pflegebedürftige durch ein vernetztes Case- und Care Management besser durch Pflege, medizinische Versorgung und soziale Unterstützungsangebote begleiten.
Für die Grafschaft Bentheim stehen nach Angaben des Niedersächsischen Sozialministeriums rund 785.000 Euro, für das Emsland rund 946.000 Euro zur Verfügung. Die Förderung läuft zunächst bis Ende 2028 und kann bis 2029 fortgeführt werden.
Finanziert werden die Modellvorhaben gemeinsam von Land und Pflegekassen. Niedersachsen stellt für das Programm jährlich gut zwei Millionen Euro bereit; gesetzliche und private Pflegekassen steuern Mittel in gleicher Höhe bei.
Krankenhäuser sollen in Versorgungssteuerung eingebunden werden
Ziel ist der Aufbau sogenannter „Connected Caring Communities“. Professionelle Pflege- und Gesundheitsangebote sollen dabei mit Angehörigen, ehrenamtlichen Strukturen und Nachbarschaftshilfe verknüpft werden.
Toolbox „Gemeinsam Caring Communities aufbauen“
Die Toolbox unterstützt beim Aufbau und bei der nachhaltigen Entwicklung von Caring Communities für ein gutes Leben im Alter. Sie richtet sich an Koordinator:innen, Umsetzer:innen und beteiligte Partner:innen und bündelt in acht Bausteinen praxiserprobte Methoden, Aktivitäten und Ansätze für Planung, Umsetzung und Verstetigung einer Caring Community.
Download: Gemeinsam Caring Communities für ein gutes Leben im Alter aufbauen – Eine Toolbox für Umsetzer:innen (PDF, ca. 12 MB)
Ein individuelles Casemanagement soll insbesondere bei komplexen Versorgungssituationen die Zusammenarbeit zwischen Haus- und Facharztpraxen, Krankenhäusern, Sozialdiensten und weiteren Unterstützungsangeboten koordinieren. Parallelstrukturen und Informationsverluste zwischen den Leistungserbringern sollen dadurch reduziert werden.
Auch Digitalisierung ist Bestandteil der Projekte. Eine spezielle Software soll die Versorgungssteuerung sowie den Aufbau einer integrierten Pflege- und Sozialplanung unterstützen.
Nach Angaben der Landkreise könnten mehr als 11.000 Pflegebedürftige in der Grafschaft Bentheim und 25.750 im Emsland von den neuen Strukturen profitieren. Die Modellvorhaben werden wissenschaftlich begleitet. Dabei soll auch geprüft werden, ob erfolgreiche Ansätze später in die Regelversorgung übernommen werden können.




