Mindestmengen bündeln komplexe Operationen in Schleswig-Holstein

WIdO-Qualitätsmonitor zeigt stärkere Spezialisierung der Kliniken – AOK fordert konsequente Umsetzung der Krankenhausreform

Wie der aktuelle Qualitätsmonitor 2024 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt, setzt sich die Konzentration komplexer Krankenhausleistungen in Schleswig-Holstein fort. Die Einführung und Anhebung von Mindestmengen führt dazu, dass anspruchsvolle Eingriffe zunehmend an erfahrenen Klinikstandorten gebündelt werden. Nach Einschätzung der AOK NordWest stärkt diese Entwicklung die Versorgungsqualität und die Patientensicherheit.

Die aktuellen Auswertungen des WIdO belegen einen deutlichen Strukturwandel in der Krankenhausversorgung Schleswig-Holsteins. Immer weniger Kliniken führen komplexe Operationen durch, während die verbleibenden Standorte steigende Fallzahlen verzeichnen. Nach Auffassung der AOK NordWest bestätigt dies die Wirksamkeit der Mindestmengenregelungen, die darauf abzielen, medizinisch anspruchsvolle Leistungen auf erfahrene Zentren zu konzentrieren.

Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest, sieht darin einen wichtigen Qualitätsgewinn. Die Daten belegten, dass Mindestmengen Krankenhausleistungen gezielt an erfahrenen Standorten bündelten und dadurch sowohl die Behandlungsqualität als auch die Patientensicherheit erhöhten. Mit den weiteren Anhebungen der Mindestmengen erwartet die Krankenkasse in den kommenden Jahren eine Fortsetzung dieses Konzentrationsprozesses.

Lungenkrebs-Operationen werden zunehmend zentralisiert

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei Lungenkrebsoperationen. Während im Jahr 2020 noch mehr als 40 Prozent aller Eingriffe an Kliniken mit weniger als 75 Operationen jährlich durchgeführt wurden, sank dieser Anteil bis 2024 auf lediglich 17 Prozent.

Parallel dazu erhöhte sich die durchschnittliche Fallzahl pro Krankenhaus von 50 auf 69 Eingriffe jährlich. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der operierenden Standorte von 16 auf zwölf Kliniken. Seit 2024 gilt für diese Eingriffe eine Mindestmenge von 40 Fällen pro Jahr, die 2025 auf 75 Eingriffe angehoben wurde.

Die Daten sprechen dafür, dass Krankenhäuser ihre Leistungsangebote bereits frühzeitig an die neuen Qualitätsanforderungen angepasst haben.

Konzentration auch bei Brustkrebs und komplexen Operationen

Auch bei Brustkrebsoperationen setzt sich die Spezialisierung fort. Zwischen 2020 und 2024 sank die Zahl der beteiligten Krankenhäuser von 22 auf 18 Standorte. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche jährliche Fallzahl je Klinik von 113 auf 148 Patientinnen. Der Anteil der Operationen an kleineren Standorten blieb mit rund 22 Prozent allerdings nahezu unverändert.

Ähnliche Entwicklungen zeigen sich bei komplexen Eingriffen an der Bauchspeicheldrüse und der Speiseröhre. Bei Pankreasoperationen erhöhte sich die durchschnittliche Fallzahl pro Klinik von 24 auf 32 Eingriffe, während sich die Zahl der beteiligten Krankenhäuser von 16 auf zwölf reduzierte.

Besonders ausgeprägt fiel die Entwicklung bei Speiseröhrenoperationen aus. Nachdem die Mindestmenge bereits 2023 auf 26 Eingriffe jährlich angehoben wurde, halbierte sich die Zahl der operierenden Krankenhäuser innerhalb von vier Jahren von neun auf vier Standorte. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Fallzahl je Klinik von 19 auf 28 Operationen.

Zertifizierte Krebszentren gewinnen an Bedeutung

Der Qualitätsmonitor dokumentiert darüber hinaus eine stärkere Steuerung von Krebspatientinnen und -patienten in zertifizierte Krebszentren. Bei Lungenkrebs wurden im Jahr 2024 bereits 73 Prozent aller Operationen in von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Zentren durchgeführt. Im Jahr 2020 lag dieser Anteil noch bei 57 Prozent.

Auch bei Brustkrebs ist langfristig eine stärkere Konzentration auf zertifizierte Zentren zu erkennen. Allerdings stieg der Anteil der Operationen außerhalb zertifizierter Einrichtungen im Jahr 2024 wieder leicht auf 16 Prozent an, nachdem er im Vorjahr auf 13 Prozent gesunken war.

Nach Einschätzung der AOK bieten zertifizierte Krebszentren aufgrund ihrer hohen Anforderungen an Struktur-, Prozess- und Behandlungsqualität nachweisbare Vorteile für die Patientinnen und Patienten.

AOK mahnt konsequente Umsetzung der Krankenhausreform an

Vor dem Hintergrund der bundesweiten Krankenhausreform fordert die AOK NordWest, die qualitätsorientierte Konzentration der Krankenhausversorgung konsequent fortzuführen. Neben den Mindestmengen sollen künftig auch die neuen Leistungsgruppen dazu beitragen, hochspezialisierte Leistungen an entsprechend qualifizierten Standorten zu bündeln.

Kritisch bewertet die Krankenkasse allerdings politische Kompromisse bei der Umsetzung der Reform. Aus Sicht von Tom Ackermann dürften Ausnahmen von Qualitätsvorgaben nur in begründeten Einzelfällen zugelassen werden. Eine weitere Aufweichung der Reform könne die angestrebten Verbesserungen bei Behandlungsqualität und Patientensicherheit gefährden.

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