Medizinischer Dienst Sachsen-Anhalt legt Qualitätsreport 2024 vor

Struktur- und Qualitätsprüfungen zeigen positive Entwicklung der Krankenhausversorgung, doch Fachkräftemangel und Notfallversorgung fordern neue Lösungsansätze

Die stationäre Versorgung in Sachsen-Anhalt ist grundsätzlich von guter Qualität – zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Qualitätsreport Krankenhausversorgung 2024 des Medizinischen Dienstes (MD) Sachsen-Anhalt. Grundlage des Berichts sind 83 Qualitätskontrollen sowie 124 Strukturprüfungen, deren Ergebnisse am Freitag in Magdeburg vorgestellt wurden. Zwar zeigten sich bei den Qualitätsprüfungen erstmals keine gravierenden Auffälligkeiten, doch mahnt der MD weiterhin entschlossenes Handeln an, um die Versorgung in der Fläche nachhaltig zu sichern.

„Die Krankenhäuser im Land haben in vielen Bereichen nachgebessert und setzen notwendige Anforderungen zunehmend um“, erklärt Jens Hennicke, Vorstandsvorsitzender des Medizinischen Dienstes Sachsen-Anhalt. Besonders positiv: Alle 124 Strukturprüfungen konnten 2024 befürwortet werden – ein deutliches Zeichen dafür, dass Kliniken Anforderungen an besonders komplexe Leistungen wie Intensivmedizin, Stroke Units oder Palliativversorgung zunehmend erfüllen.

Spezialisierung, Digitalisierung und Telemedizin als Schlüssel

Als zentrale Stellschrauben nennt Hennicke die Spezialisierung und Zentralisierung, die Delegation ärztlicher Aufgaben, Kooperationen sowie digitale Vernetzungen. Vor allem der Ausbau flexibler telemedizinischer Angebote müsse intensiviert werden, um flächendeckend eine qualitativ hochwertige Versorgung zu gewährleisten – insbesondere im ländlichen Raum. Modelle wie die asynchrone Telemedizin, bei der eine zeitversetzte Kommunikation zwischen Fachpersonal und Patient:innen stattfindet, könnten helfen, dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Notfallversorgung im Fokus – keine Auffälligkeiten, aber Reformbedarf

Vor dem Hintergrund des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt und der bevorstehenden Krankenhausreform widmet der Report der Notfallversorgung einen besonderen Schwerpunkt. Zwar seien 2024 erstmals keine Mängel in den untersuchten Notaufnahmen festgestellt worden – dennoch bleibe der Bereich stark unter Druck. „Eine verlässliche Notfallversorgung ist eine tragende Säule unseres Gesundheitssystems“, so Hennicke.

Der MD spricht sich für die flächendeckende Einführung Integrierter Notfallzentren aus – mit zentralen Ersteinschätzungen nach digitalem oder telefonischem Erstkontakt sowie einer engen Verzahnung von Notaufnahmen und Notdienstpraxen. Diese Reformansätze seien geeignet, Patientenströme gezielt zu lenken und die Akutversorgung zu stabilisieren.

Strukturprüfungen: Qualität hoch, aber kontinuierliche Entwicklung nötig

Strukturprüfungen dokumentieren, ob Kliniken die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) festgelegten Voraussetzungen für besonders komplexe OPS-Leistungen erfüllen – z. B. in Bezug auf Personalverfügbarkeit, technische Ausstattung oder Isolationseinheiten. Sie dienen nicht nur der Abrechnungsprüfung, sondern liefern auch Hinweise auf die tatsächliche Versorgungsqualität.

„Der konstruktive Austausch zwischen Medizinischem Dienst und Kliniken hat sich bewährt“, betont Hennicke. Ziel sei es, gemeinsam Maßnahmen zu entwickeln, die eine hochwertige Versorgung dauerhaft sicherstellen – beispielsweise durch Kooperationsverträge oder angepasste Dienstmodelle.

Schnittstellenprobleme erkennen – Prüfungen bleiben essenziell

Auch Krankenhausabrechnungen bleiben Teil der Prüfungstätigkeit des MD – etwa bei Fragen zur Behandlungsdauer oder der Notwendigkeit stationärer Versorgung. Dabei gehe es nicht nur um Wirtschaftlichkeit, sondern um das Zusammenspiel von ambulanter und stationärer Versorgung. Prüfungen sollten laut Hennicke effizient und nutzbringend für die Versorgungsqualität gestaltet werden.