RKI ändert Empfehlung: Kaltes Wasser reicht für medizinische Handwaschplätze
KRINKO passt Händehygiene-Empfehlung an und bewertet Warmwasser als nicht erforderlich
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat eine Änderung der Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) zur „Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens“ veröffentlicht. Danach ist für medizinische Handwaschplätze künftig ein Zulauf für kaltes Wasser in Trinkwasserqualität ausreichend, da die Wassertemperatur keinen relevanten Einfluss auf die Wirksamkeit der Händewaschung hat.
Die KRINKO hat ihre Empfehlungen zur Ausstattung medizinischer Handwaschplätze aufgrund neuer wissenschaftlicher Bewertungen angepasst. Die Änderung betrifft insbesondere die bisher häufig übliche Bereitstellung von warmem Wasser an Handwaschplätzen in Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen. Nach der aktualisierten Bewertung ist die Händedesinfektion weiterhin die wichtigste Einzelmaßnahme der Händehygiene in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen. Das Händewaschen bleibt bestimmten Situationen vorbehalten, beispielsweise bei sichtbarer Verschmutzung der Hände oder nach bestimmten Kontaminationen.
Die Wirksamkeit der Händewaschung hängt nach Angaben des RKI jedoch nicht maßgeblich von der Temperatur des verwendeten Wassers ab. Entscheidend seien vielmehr Faktoren wie die Dauer des Waschvorgangs, die korrekte Technik, die Qualität des verwendeten Wassers sowie die eingesetzten Handwaschpräparate.
Warmwasser für medizinische Handwaschplätze nicht notwendig
Die KRINKO stützt ihre Anpassung auf Erkenntnisse der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sowie verschiedener wissenschaftlicher Untersuchungen. Demnach sind die Auswirkungen der Wassertemperatur auf die effektive Entfernung von Erregern von den Händen vernachlässigbar. Die neue Empfehlung sieht daher vor, dass medizinische Handwaschplätze lediglich mit einem Zulauf für kaltes Wasser in Trinkwasserqualität ausgestattet werden müssen. Eine zusätzliche Warmwasserversorgung ist aus hygienischer Sicht nicht erforderlich.
Für Krankenhäuser ergeben sich daraus mögliche Auswirkungen auf Planung, Neubau und Sanierung medizinischer Bereiche. Bei der Errichtung neuer Funktionsbereiche, Stationen oder ambulant-stationärer Versorgungsstrukturen könnten technische Anforderungen an Handwaschplätze künftig einfacher umgesetzt werden.
Auswirkungen auf Kosten, Nachhaltigkeit und Hautschutz
Neben der mikrobiologischen Wirksamkeit wurden auch weitere Aspekte bewertet. Dazu zählen mögliche Auswirkungen der Wassertemperatur auf die Bereitschaft zum Händewaschen, die Hautgesundheit des Personals sowie ökologische und wirtschaftliche Faktoren.
Während warmes Wasser subjektiv häufig als angenehmer empfunden wird, konnte kein relevanter Vorteil hinsichtlich der hygienischen Wirksamkeit nachgewiesen werden. Gleichzeitig kann der Verzicht auf Warmwasseranschlüsse Energie einsparen und den technischen Aufwand bei Bau und Betrieb medizinischer Einrichtungen reduzieren.
Für das Klinikmanagement ergeben sich daraus insbesondere bei Bauprojekten und Modernisierungen neue Gestaltungsmöglichkeiten. Die Anpassung der KRINKO-Empfehlung kann dazu beitragen, technische Anforderungen zu vereinfachen und Betriebskosten langfristig zu reduzieren, ohne die Patientensicherheit oder die Qualität der Infektionsprävention zu beeinträchtigen.
Die Änderung verdeutlicht zugleich die Bedeutung evidenzbasierter Anpassungen in der Krankenhaushygiene. Maßnahmen der Infektionsprävention müssen regelmäßig anhand aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse bewertet werden, um wirksam, wirtschaftlich und praxistauglich zu bleiben.




