Herausforderung Entlassmanagement: Kliniken fordern bessere Strukturen für die Nachversorgung

Beim Netzwerktreffen in Bad Oeynhausen berichten Praktiker über Versorgungsbrüche, fehlende Finanzierung und strukturelle Defizite – Patientenbeauftragter Schwartze mahnt politische Lösungen an

Beim diesjährigen Netzwerktreffen des medizinisch-pflegerischen Versorgungsnetzes in der Auguste-Viktoria-Klinik in Bad Oeynhausen stand ein Thema im Mittelpunkt, das Kliniken bundesweit beschäftigt: das Entlassmanagement. Der Übergang von Patientinnen und Patienten aus dem Krankenhaus in die Weiterversorgung – ob in die ambulante Pflege, die Reha oder das häusliche Umfeld – gestaltet sich zunehmend schwierig. Vertreterinnen und Vertreter aus Sozialdiensten, Pflegediensten, Pflegeeinrichtungen sowie aus Politik und Praxis diskutierten mit rund 70 Teilnehmenden über strukturelle Probleme, rechtliche Hürden und unzureichende Finanzierung.

Zunehmende Zahl nicht-versicherter Patient:innen überfordert Kliniken

Ein zentrales Thema der Diskussion war die wachsende Zahl nicht-versicherter Patientinnen und Patienten, die Kliniken vor große organisatorische und finanzielle Herausforderungen stellt. Sowohl die Mühlenkreiskliniken als auch die Kreiskliniken Herford-Bünde berichteten von einer zunehmenden Belastung ihrer Einrichtungen. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) entstehen den Krankenhäusern bundesweit jährlich 150 bis 200 Millionen Euro an ungedeckten Kosten durch Behandlungen von Personen ohne Krankenversicherung – insbesondere dann, wenn weder Krankenkassen noch Sozialämter die Kosten übernehmen.

„Dem Entlassmanagement werden immer häufiger Patienten ohne Krankenversicherung vorgestellt. Für die Kliniken bedeutet das, dass die Patienten, die eine gesicherte Nachversorgung benötigen, einen verlängerten stationären Aufenthalt haben, denn ohne einen gesicherten Versicherungsschutz nehmen Nachsorger keine Patienten auf“, berichtete Andrea Brümmer, Leitung Entlassmanagement am Standort Herford der Kreiskliniken Herford-Bünde.

Wundmanagement und Vergütungssysteme im Fokus

Neben der Nachsorgeproblematik stand auch das Wundmanagement im Mittelpunkt der Diskussionen. Ambulante Pflegedienste, die hier eine tragende Rolle übernehmen könnten, werden nach Einschätzung vieler Teilnehmender durch die bestehenden Vergütungsstrukturen massiv eingeschränkt. „Egal ob ein Patient eine, zwei oder drei Wunden hat – wir bekommen nur die Behandlung einer Wunde vergütet“,
kritisiert Angelika Busse, Inhaberin des Pflegedienstes Busse.

Strukturelle Defizite und Reformstau

Die anwesenden Praktikerinnen und Praktiker machten deutlich, dass die Versorgungskette nach der Entlassung dringend verbessert werden muss. Immer wieder bleiben Patientinnen und Patienten länger im Krankenhaus, weil eine Anschlussversorgung fehlt – ein Kostenfaktor, der das gesamte Gesundheitssystem belastet.

Regionale Netzwerke als Schlüssel zur Verbesserung

Das medizinisch-pflegerische Versorgungsnetz, das seit 2017 von Uwe Frederking (Mühlenkreiskliniken) und Michael Winter (Orthopartner) initiiert wurde, vernetzt Akteure aus Medizin, Pflege und Gesundheitsversorgung in der Region Bad Oeynhausen, Löhne und Vlotho. Ziel ist es, Versorgungsprobleme frühzeitig zu erkennen und praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Frederking betonte: „Das diesjährige Treffen hat einmal mehr gezeigt, wie dringend strukturelle Verbesserungen notwendig sind – und dass Praxis und Politik hier enger zusammenarbeiten müssen, um die Versorgung zukunftsfähig zu gestalten.“

Das Netzwerk versteht sich als Plattform für interdisziplinären Austausch und als Impulsgeber für Verbesserungen auf regionaler Ebene – ein Ansatz, der nach Einschätzung vieler Teilnehmender künftig an Bedeutung gewinnen wird.