82 Prozent der Praxen ohne Notfallplan für Stromausfall
Zi-Befragung zeigt Lücken in der Krisenvorsorge – Telemedizin, Routinedaten und KI sollen ambulante Versorgung widerstandsfähiger machen
Die Krisenvorsorge in deutschen Arzt- und Psychotherapiepraxen weist erhebliche Lücken auf. Nach aktuellen Ergebnissen des Zi-Praxis-Panels verfügen 82 Prozent der befragten Praxen über keinen Notfallplan für einen Stromausfall. Für einen Ausfall der Telekommunikationssysteme fehlt ein solcher Plan bei 80 Prozent. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) fordert deshalb eine stärkere Einbindung der ambulanten Versorgung in die staatliche Krisenplanung.
Für die Erhebung wurden von Ende April bis Ende Juli 2026 knapp 4.000 Praxen befragt. Neben fehlenden Notfallplänen zeigt die Befragung nach Angaben des Zi Unsicherheiten hinsichtlich Zuständigkeiten, Kommunikationswegen und der Rolle der Praxen im Katastrophenfall.
Gleichzeitig sieht das Institut ein erhebliches Aktivierungspotenzial: 65 Prozent der ärztlichen und 75 Prozent der psychotherapeutischen Praxen geben an, Patienten mit kurzfristig zwingendem Behandlungsbedarf im Krisenfall schnell identifizieren zu können. Von den grundsätzlich unterstützungsbereiten Ärzten wären 76 Prozent bereit, auch an einem anderen täglich erreichbaren Ort tätig zu werden.
Telemedizin soll fehlende Ressourcen überbrücken
Beim Zi-Versorgungsforschungskongress am 15. und 16. September in Berlin wurden Telemedizin, Routinedatenauswertungen und KI als mögliche Bausteine resilienter Versorgungsstrukturen diskutiert. Telemedizinische Verfahren könnten insbesondere bei fehlenden medizinischen Fachkräften die Sichtung und Erstversorgung unterstützen. KI-gestützte Auswertungen von Gesundheits-, Bevölkerungs- und Umweltdaten könnten zudem regionale Risiken und zusätzlichen Versorgungsbedarf frühzeitig sichtbar machen.
Zi-Vorstandsvorsitzender Dr. Dominik von Stillfried fordert für die Kassenärztlichen Vereinigungen ein gesetzlich verankertes und finanziertes Mandat für eine aktive Rolle im Krisenmanagement.




