Kinderkrankenpflege warnt vor zunehmendem Personalmangel
Verbände sehen Defizite bei Spezialisierung – Streit über Folgen der generalistischen Pflegeausbildung
Der Personalmangel in der Kinderkrankenpflege spitzt sich nach Einschätzung von Berufsverbänden weiter zu. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt:innen (BVKJ) und der Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland (BeKD) sehen insbesondere Defizite bei der Spezialisierung innerhalb der Pflegeausbildung. Der DBfK Nordwest widerspricht jedoch einem direkten Zusammenhang zwischen Generalistik und Personalmangel.
Der Mangel an qualifizierten Pflegefachkräften entwickelt sich zunehmend zu einer Herausforderung für die Kinder- und Jugendmedizin. Der BVKJ und der BeKD, beide Mitglieder im Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit (KJG), warnen vor einer weiteren Verschärfung der Personalsituation in der Kinderkrankenpflege.
Im Mittelpunkt der Kritik steht die seit 2020 bestehende generalistische Pflegeausbildung. Nach Einschätzung des BeKD liegt deren Schwerpunkt zu stark auf der Versorgung erwachsener Patienten. Für Auszubildende, die gezielt mit Kindern und Jugendlichen arbeiten möchten, könne dies abschreckend wirken.
Bettina Beyer-Lichtblau und Julia Venzke vom BeKD verwiesen gegenüber dem NDR darauf, dass der Anteil der Ausbildung, der sich speziell mit der Kinderheilkunde beschäftigt, deutlich kürzer sei als andere Ausbildungsbereiche. Einige Absolventen fühlten sich deshalb nach Abschluss ihrer Ausbildung nicht ausreichend auf eine Tätigkeit in der Kinderkrankenpflege vorbereitet.
DBfK widerspricht Kritik an generalistischer Pflegeausbildung
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest bewertet die Ursachen dagegen anders. Nach seiner Einschätzung ist nicht belegt, dass die generalistische Pflegeausbildung für den Personalmangel in der Kinderkrankenpflege verantwortlich ist.
Als wesentliches Problem sieht der Verband vielmehr fehlende bundeseinheitliche Standards für die pflegerische Aus-, Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinderkrankenpflege. Hier sei der Gesetzgeber gefordert, verbindliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Zugleich verweist der DBfK auf die Verantwortung der Arbeitgeber. Pflegefachkräfte müssten beim Einstieg in spezialisierte Bereiche angemessen eingearbeitet und qualifiziert werden.
Die unterschiedlichen Einschätzungen zeigen einen grundsätzlichen Konflikt: Während der BeKD eine stärkere Spezialisierung bereits während der Ausbildung fordert, sieht der DBfK die Lösung vor allem in einheitlichen Qualifikationsstandards und einer besseren Einarbeitung nach dem Berufseinstieg.
BeKD fordert wieder stärkere Spezialisierung
Wie begrenzt die Möglichkeiten für eine spezialisierte Ausbildung derzeit sind, zeigt sich nach Angaben des NDR in Niedersachsen. Dort bietet demnach nur das Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT in Hannover eine spezielle Ausbildung im Bereich der Kinderkrankenpflege an.
Der Berufsverband Kinderkrankenpflege hat deshalb im April eine Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht. Gefordert wird, Auszubildenden, die sich gezielt für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen entscheiden, wieder eine stärkere Spezialisierung zu ermöglichen.
Für die Kinderkliniken ist die Diskussion auch mit Blick auf die Sicherung ihrer Versorgungsstrukturen relevant. Spezialisierte Kinderkrankenpflege erfordert besondere Kenntnisse und Kompetenzen, gleichzeitig konkurrieren Kinderkliniken und pädiatrische Abteilungen mit anderen Versorgungsbereichen um eine begrenzte Zahl qualifizierter Pflegefachkräfte.
Die Frage, wie ausreichend Nachwuchs für die Kinderkrankenpflege gewonnen und qualifiziert werden kann, dürfte deshalb angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels weiter an Bedeutung gewinnen.




