Deutscher Pflegerat warnt: Ohne stärkere Pflegekompetenz drohen Versorgungslücken

DPR fordert verbindliche Berücksichtigung der Versorgungsperspektive bei Gesundheits- und Pflegegesetzen

Der Deutscher Pflegerat (DPR) fordert eine stärkere Einbindung der Profession Pflege in gesundheitspolitische Reformen und warnt vor negativen Folgen einer rein ökonomisch oder technisch ausgerichteten Gesetzgebung. Nach Ansicht des Verbandes müsse die Versorgungsperspektive künftig konsequent in den Mittelpunkt aller Gesetzesvorhaben im Gesundheits- und Pflegebereich gestellt werden.

Der DPR verlangt insbesondere, Pflegefachpersonen als eigenständige und eigenverantwortliche Akteurinnen und Akteure der Versorgung anzuerkennen. Ihre Kompetenzen müssten rechtlich abgesichert, strukturell eingebunden und im Versorgungsalltag wirksam nutzbar gemacht werden.

DPR-Präsidentin Christine Vogler kritisiert, dass die Profession Pflege bislang häufig lediglich als Ausführende gesetzlicher Vorgaben oder Nutzerin digitaler Systeme betrachtet werde. Tatsächlich trügen Pflegefachpersonen täglich eigenverantwortlich zur Sicherstellung der Versorgung bei – sowohl im Krankenhaus als auch in der ambulanten und stationären Langzeitpflege sowie an sektorenübergreifenden Schnittstellen.

Nach Auffassung des DPR werden aktuelle Reformvorhaben zu stark aus der Perspektive von Finanzierung, Verwaltung, Digitalisierung und ärztlich geprägten Strukturen entwickelt. Zu wenig berücksichtigt werde dagegen, welche konkreten Auswirkungen gesetzliche Regelungen auf Patientinnen und Patienten, pflegebedürftige Menschen, Angehörige und Gesundheitsberufe haben.

Kritik an Digitalisierungsvorhaben im Gesundheitswesen

Besonders kritisch bewertet der Pflegerat den Referentenentwurf des geplanten Gesetzes für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen (GeDIG). Pflege werde dort zwar als Anwenderin oder Datenlieferantin berücksichtigt, jedoch nicht durchgängig als eigenständige versorgungsverantwortliche Profession mitgedacht.

Nach Ansicht des DPR müsse Digitalisierung stärker an den tatsächlichen Anforderungen der Versorgungspraxis ausgerichtet werden. Dazu gehörten sektorenübergreifende Kommunikationsstrukturen, digitale Bedarfseinschätzungen, elektronische Patientenakten sowie praxistaugliche Lösungen für multiprofessionelle Zusammenarbeit.

Der Verband warnt davor, digitale Strukturen ausschließlich entlang bestehender Verwaltungs- oder Abrechnungssysteme aufzubauen. Dies führe nicht automatisch zu besseren Versorgungsprozessen.

Forderung nach Versorgungsfolgenabschätzung für Gesetze

Der DPR fordert deshalb eine verbindliche Prüfung der Versorgungsfolgen neuer Gesetze und Verordnungen. Dabei müsse systematisch bewertet werden, ob Regelungen die Versorgungsqualität verbessern, Pflegebedürftige und Angehörige entlasten sowie die Kompetenzen der Profession Pflege sinnvoll nutzen.

Zugleich warnt der Verband davor, pflegende Angehörige weiterhin als selbstverständlich verfügbare Ressource zu betrachten. Häusliche Pflege könne nur gelingen, wenn professionelle Pflege, Beratung, Prävention sowie sektorenübergreifende Koordination besser verzahnt würden.

Nach Einschätzung des DPR gefährde eine Politik, die Pflege primär als Kostenfaktor betrachte, langfristig die Versorgungssicherheit sowie das Vertrauen in den Sozialstaat.

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