Anästhesiologie häufigste Facharztgruppe in NRW-Kliniken

IT.NRW zeigt Personalstruktur: Teilzeitquote und Geschlechterverteilung variieren deutlich

In den nordrhein-westfälischen Krankenhäusern ist die Anästhesiologie die größte Facharztgruppe. Das geht aus aktuellen Daten von Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) hervor, die zum Stichtag 31. Dezember 2024 insgesamt 49.551 hauptamtliche Ärztinnen und Ärzte in NRW-Kliniken ausweisen. Auffällig sind zudem hohe Teilzeitquoten sowie deutliche Unterschiede beim Frauenanteil in den Facharztgruppen.

Die Statistik verdeutlicht zugleich strukturelle Spannungen im Krankenhausarbeitsmarkt: Rund 43 Prozent der ärztlich Beschäftigten in NRW verfügen demnach noch über keine abgeschlossene Facharztausbildung. Gleichzeitig arbeiten 38 Prozent der Fachärztinnen und Fachärzte in Teilzeit – ein deutlich höherer Anteil als bei Ärzten ohne abgeschlossene Weiterbildung, von denen nur 18 Prozent in Teilzeit tätig sind.

Mit 4.742 Beschäftigten stellt die Anästhesiologie die größte Facharztgruppe in NRW-Kliniken dar. Es folgen die Innere Medizin mit 3.262 sowie die Orthopädie und Unfallchirurgie mit 2.595 Ärztinnen und Ärzten. Ebenfalls zu den größten Fachbereichen zählen die Frauenheilkunde und Geburtshilfe, die Kardiologie innerhalb der Inneren Medizin sowie die Psychiatrie und Psychotherapie. Die Datenbasis umfasst alle 316 nach § 108 SGB V zugelassenen Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen, die für die Versorgung gesetzlich Versicherter berechtigt sind. Gegenüber dem Vorjahr wurden fünf private Kliniken aus der Statistik ausgeschlossen, die die Kriterien nicht erfüllten.

Neben der Facharztverteilung zeigt die Auswertung erhebliche Unterschiede in der Geschlechterstruktur. Den höchsten Frauenanteil weist die Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit rund 69 Prozent auf, gefolgt von der Kinder- und Jugendmedizin mit etwa 62 Prozent. Am unteren Ende liegt die Orthopädie und Unfallchirurgie mit nur rund 17 Prozent weiblicher Beschäftigter. Auch bei der Arbeitszeitgestaltung zeigen sich deutliche Differenzen. Die höchste Teilzeitquote innerhalb der Fachgruppen verzeichnet die Anästhesiologie: 68 Prozent der Ärztinnen und 39 Prozent der Ärzte arbeiten dort in Teilzeit. In der Inneren Medizin und Kardiologie liegt der Anteil bei Fachärztinnen bei rund 41 Prozent und bei Fachärzten in der Allgemeinchirurgie bei etwa 20 Prozent.

Insgesamt arbeiten Fachärztinnen und Fachärzte deutlich häufiger in Teilzeit (38 Prozent) als Ärztinnen und Ärzte ohne abgeschlossene Weiterbildung (18 Prozent). Besonders ausgeprägt ist der Unterschied bei Frauen: Fachärztinnen arbeiten zu 56 Prozent in Teilzeit, während es bei männlichen Fachärzten 26 Prozent sind.

1 Antwort

  1. Die hohe Zahl an Anästhesiologinnen und Anästhesiologen in NRW-Kliniken ist strukturell gut nachvollziehbar. Ohne sie wäre der operative Betrieb in Krankenhäusern nicht möglich, da jede Operation eine durchgängige anästhesiologische Betreuung voraussetzt.

    Darüber hinaus ist die Anästhesiologie weit über den OP hinaus zentral eingebunden: auf Intensivstationen, in der Notfall- und Reanimationsversorgung sowie in der perioperativen Schmerztherapie. Diese Aufgaben erfordern eine permanente 24/7-Verfügbarkeit und binden erhebliche personelle Ressourcen.

    Hinzu kommt, dass Anästhesieteams häufig auch organisatorische und koordinierende Funktionen im OP-Management übernehmen. In der Summe erklärt dies, warum die Anästhesiologie in vielen Kliniken die größte ärztliche Facharztgruppe stellt.

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