Studie zu Drug-Checking in Nürnberg sieht Potenzial für weniger Drogennotfälle
Forschungsprojekt EviDriN von Klinikum Nürnberg, Ohm und PMU bewertet Nutzen und Machbarkeit
Ein gemeinsames Forschungsprojekt des Klinikum Nürnberg, der Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm und der Paracelsus Medizinische Privatuniversität sieht deutliche Chancen für den Einsatz von Drug-Checking in der Metropolregion Nürnberg. Die Studie „EviDriN“ kommt zu dem Ergebnis, dass ein entsprechendes Angebot Drogennotfälle reduzieren und das Gesundheitssystem entlasten könnte.
Das Forschungsprojekt „EviDriN – Evidenzbasiertes Drug-Checking in Nürnberg“ bewertet erstmals systematisch die Möglichkeiten eines Drug-Checking-Angebots in der Metropolregion Nürnberg. Beteiligt sind das Klinikum Nürnberg, die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm sowie die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern aus Wissenschaft, Suchthilfe und Rechtsmedizin.
Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, ob die Analyse illegaler Substanzen verbunden mit Risikobewertung und Beratung geeignet ist, Drogennotfälle zu reduzieren. Nach Einschätzung der Forschenden könnten insbesondere Akut- und Intensivstationen sowie Rettungsdienste entlastet werden, da vermeidbare Notfälle einen relevanten Teil der Versorgungsbelastung ausmachen.
Das Projekt wurde seit Dezember 2024 durchgeführt und vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit rund 360.000 Euro gefördert. Es umfasst mehrere Teilstudien, darunter die Analyse von Drogennotfällen am Klinikum Nürnberg sowie die Untersuchung von mehr als 1.000 Spritzenrückständen. Diese Daten sollten Aufschluss über konsumierte Substanzen und mögliche Verunreinigungen geben.
Ergänzend wurden Befragungen unter Konsumierenden durchgeführt. Dabei zeigte sich eine hohe potenzielle Nachfrage nach einem Drug-Checking-Angebot: Rund 85 Prozent der Befragten gaben an, ein solches Angebot nutzen zu wollen. Zudem berichtete ein Großteil der Teilnehmenden über eine wahrgenommene Zunahme von Verunreinigungen im Substanzkonsum.
Auch die Bereitschaft zur Verhaltensanpassung wurde untersucht. 65 Prozent der Befragten erklärten, eine Substanz bei einem unerwarteten Testergebnis nicht zu konsumieren und zu entsorgen. Aus Sicht der Forschenden deutet dies auf ein relevantes Präventionspotenzial hin, insbesondere im Hinblick auf akute Intoxikationen und Notfallaufkommen.
Nach Einschätzung von Jan Welker, der das Projekt klinisch koordinierte, stellen Drogennotfälle bereits heute eine erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem dar. Drug-Checking könne dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu erkennen und dadurch kritische Verläufe zu vermeiden.
Gleichzeitig betonen die Projektverantwortlichen die komplexen Rahmenbedingungen einer möglichen Umsetzung. Neben rechtlichen Fragen spielen organisatorische, medizinische und suchtpolitische Aspekte eine zentrale Rolle. Die Studie empfiehlt daher einen modularen und wissenschaftlich begleiteten Pilotansatz, der unterschiedliche Akteure aus Medizin, Suchthilfe, Politik und Verwaltung einbindet.
Die Forschenden sehen in Drug-Checking ein potenziell kosteneffizientes Instrument, dessen Wirkung jedoch von der konkreten Ausgestaltung abhängt. Entscheidend sei eine enge Verzahnung mit bestehenden Hilfesystemen sowie eine klare rechtliche Grundlage für die praktische Umsetzung.
Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die zunehmende Bedeutung evidenzbasierter Präventionsansätze im Umgang mit Drogennotfällen. Für das Krankenhausmanagement könnte Drug-Checking perspektivisch ein Baustein sein, um Notaufnahmen zu entlasten und präventive Versorgungsstrukturen zu stärken.




