NRW: Schwangerschaftsabbrüche auf Höchststand seit 2008
IT.NRW meldet 23.545 Fälle – Wandel bei Methoden und Versorgungsstrukturen
Im Jahr 2025 wurden in Nordrhein-Westfalen 23.545 Schwangerschaftsabbrüche registriert – der höchste Stand seit 2008. Wie das Statistische Landesamt Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) mitteilt, entspricht dies einem leichten Anstieg von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Entwicklung zeigt zugleich Veränderungen bei Patientinnenstruktur, Versorgungsform und eingesetzten Methoden.
Die von Information und Technik Nordrhein-Westfalen veröffentlichten Daten zeigen eine anhaltende Aufwärtsbewegung bei den gemeldeten Schwangerschaftsabbrüchen in Nordrhein-Westfalen. Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang in den Jahren 2020 und 2021 ist seit 2022 wieder ein kontinuierlicher Anstieg zu beobachten, wenngleich sich das Wachstum zuletzt deutlich abgeschwächt hat. Mit 23.545 Fällen im Jahr 2025 wurde der höchste Stand seit 2008 erreicht, als 24.120 Eingriffe registriert wurden.
Die Altersstruktur der betroffenen Frauen bleibt dabei weitgehend stabil. Rund 89,4 Prozent der Frauen waren zwischen 18 und 39 Jahre alt. Minderjährige machten 2,7 Prozent aus, darunter 50 Mädchen unter 15 Jahren. Frauen ab 40 Jahren stellten 7,9 Prozent der Fälle. Bemerkenswert ist zudem, dass 54,2 Prozent der Frauen bereits mindestens ein Kind geboren hatten, darunter auch ein relevanter Anteil mit drei oder mehr Kindern. Diese Daten deuten auf eine heterogene soziale und familiäre Ausgangslage der Patientinnen hin, die für Versorgungs- und Beratungsstrukturen im Gesundheitswesen relevant ist.
Auch der Zeitpunkt der Eingriffe verschiebt sich weiterhin in frühere Schwangerschaftswochen. Mehr als die Hälfte der Abbrüche (51,2 Prozent) erfolgte vor der siebten Schwangerschaftswoche, weitere 29,8 Prozent zwischen der siebten und neunten Woche. Dies ist aus medizinischer Sicht relevant, da frühe Eingriffe in der Regel mit geringeren Komplikationsrisiken verbunden sind und zunehmend ambulant organisiert werden können.
Versorgungsseitig zeigt sich eine klare Dominanz ambulanter Strukturen. 97,3 Prozent der Eingriffe wurden in Arztpraxen oder Krankenhäusern ambulant durchgeführt, lediglich 2,7 Prozent stationär. Gleichzeitig bleibt die medizinische Indikationslage überwiegend im regulierten Beratungsverfahren verankert: 95,6 Prozent der Abbrüche erfolgten nach gesetzlich vorgeschriebener Beratung, während medizinische oder kriminologische Indikationen 4,4 Prozent ausmachten.
Eine strukturell bedeutsame Veränderung betrifft die eingesetzten Methoden. Erstmals wurde 2025 die medikamentöse Durchführung zur häufigsten Form: 42,9 Prozent der Abbrüche erfolgten mit dem Wirkstoff Mifegyne®. Damit löst diese Methode die bisher dominierende Vakuumaspiration (38,2 Prozent) ab. Die Entwicklung weist auf eine zunehmende Ambulantisierung und medikamentöse Verlagerung in der Versorgung hin, die für Klinikorganisation und ambulante Versorgungsstrukturen gleichermaßen relevant ist.




