Herzkrankheiten verursachen weiter mehr als 1,6 Mio. Klinikfälle

Herzbericht 2026 zeigt steigende Hospitalisationen bei Älteren – KHK-Sterblichkeit sinkt um 7,1 Prozent, Akutversorgung bleibt regional unterschiedlich

Herzkrankheiten haben 2024 in Deutschland zu 1,65 Millionen vollstationären Krankenhausaufnahmen geführt – rund 18.100 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig sank die Sterberate der Koronaren Herzkrankheit deutlich um 7,1 Prozent. Der Deutsche Herzbericht – Update 2026 zeigt jedoch erhebliche Unterschiede nach Alter, Geschlecht und Region. Mit Blick auf Krankenhausreform und Ambulantisierung fordert die Deutsche Herzstiftung, die zeitkritische kardiologische Akutversorgung flächendeckend sicherzustellen.

Die Zahl der vollstationären Behandlungen aufgrund von Herzkrankheiten stieg von 1.635.598 Fällen im Jahr 2023 auf 1.653.702 Fälle im Jahr 2024. Allein Koronare Herzkrankheit (KHK), Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz verursachen nach Angaben der Herzstiftung jährlich rund 1,5 Millionen Klinikeinweisungen.

Besonders ausgeprägt ist die stationäre Inanspruchnahme bei älteren Patienten. Bei den 75- bis unter 85-Jährigen ist die Hospitalisationsrate seit 2012 laut Herzbericht um 13,3 Prozent gestiegen. Bei Herzinsuffizienz nimmt die Zahl stationärer Behandlungen ab 65 Jahren besonders stark zu.

KHK-Sterblichkeit sinkt um 7,1 Prozent

Bei der Sterblichkeit zeigt der Herzbericht eine gegenläufige Entwicklung. Die altersstandardisierte Sterberate der KHK sank innerhalb eines Jahres von 127,3 auf 118,3 Todesfälle je 100.000 Einwohner und damit um 7,1 Prozent.

In absoluten Zahlen ging die Zahl der KHK-Todesfälle von 119.795 im Jahr 2023 auf 113.473 im Jahr 2024 zurück. Darunter waren 41.258 Todesfälle infolge eines Herzinfarkts gegenüber 43.839 im Vorjahr.

Auch bei Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen wurden leichte Rückgänge der Sterberaten registriert. Die Deutsche Herzstiftung führt die längerfristige Entwicklung unter anderem auf Fortschritte bei Diagnostik, medikamentöser und interventioneller Therapie, Rehabilitation und Rettungsketten zurück.

STEMI-Sterblichkeit bei Frauen weiterhin höher

Deutliche Unterschiede bestehen weiterhin bei der Krankenhaussterblichkeit nach einem ST-Hebungsinfarkt (STEMI). 2024 lag die In-Hospital-Sterblichkeit bei Frauen bei 14,4 Prozent, bei Männern bei 10,1 Prozent.

Rund 2.600 Frauen und 4.400 Männer verstarben 2024 stationär aufgrund eines STEMI. Die Door-to-balloon-Zeiten unterscheiden sich laut Herzbericht zwischen den Geschlechtern nicht. Als mögliche Erklärungen werden unter anderem Unterschiede bei Multimorbidität oder ein späteres Erkennen des Herzinfarkts bei Frauen diskutiert; die Ursachen seien jedoch weiter zu untersuchen.

Hybrid-DRGs verlagern kardiologische Eingriffe in den ambulanten Bereich

Der Herzbericht nimmt auch die zunehmende Ambulantisierung der Kardiologie in den Blick. Durch die Erweiterung der Hybrid-DRGs werden nach Einschätzung der Herzstiftung künftig unter anderem Stentbehandlungen bei KHK, Schrittmacher- und ICD-Implantationen sowie Katheterablationen häufiger ambulant durchgeführt.

In welchem Umfang dies tatsächlich zu einer Entlastung des stationären Bereichs führt, ist nach Einschätzung der Herzstiftung noch offen. Bei bestimmten Eingriffen werde weiterhin eine Krankenhausinfrastruktur einschließlich intensivmedizinischer Kapazitäten benötigt, um Komplikationen behandeln zu können.

Herzstiftung fordert Erhalt der kardiologischen Akutversorgung

Mit Blick auf Krankenhausreform, wirtschaftlichen Druck und Klinikinsolvenzen warnt die Deutsche Herzstiftung vor möglichen Versorgungslücken bei zeitkritischen kardiologischen Notfällen.

Als einen Baustein nennt sie zertifizierte Chest-Pain-Units (CPU). Bundesweit stehen nach Angaben der Herzstiftung im September 2026 mehr als 400 CPUs zur Verfügung. Sie sind rund um die Uhr besetzt und verfügen über ein Herzkatheterlabor.

Der Herzbericht zeigt zugleich erhebliche regionale Unterschiede bei der Herzinfarktsterblichkeit. 2024 wurden in Mecklenburg-Vorpommern 63,4 und in Berlin 60,4 Herzinfarkttote je 100.000 Einwohner registriert. Hamburg lag bei 26,2 und Nordrhein-Westfalen bei 28,8. Aus diesen Unterschieden lässt sich nach Darstellung der Herzstiftung nicht unmittelbar auf die regionale Versorgungsqualität schließen; neben der Versorgungsstruktur kommen unter anderem Bevölkerungsstruktur, sozioökonomische Faktoren und die Verbreitung kardiovaskulärer Risikofaktoren als Einflussgrößen infrage.

Die Herzstiftung sieht deshalb neben der Sicherstellung der Akutversorgung insbesondere in einer früheren Prävention und konsequenten Behandlung von Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes, Adipositas und Tabakkonsum Potenzial, um kardiovaskuläre Erkrankungen und vermeidbare Krankenhausbehandlungen zu reduzieren.