Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft bewertet Ergebnisse der CREST-2-Studie
Fachgesellschaft: Intervention bleibt Einzelfallentscheidung – Stenting in erfahrenen Zentren gleichwertige Option
Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) hat am 10. Dezember 2025 eine ausführliche Stellungnahme zu den neu publizierten Resultaten der CREST-2-Studie veröffentlicht. Die seit langem erwarteten Daten wurden am 21. November 2025 im New England Journal of Medicine publiziert. Die Studie untersuchte bei über 35-jährigen Patientinnen und Patienten mit mindestens 70-prozentiger asymptomatischer Carotisstenose den Nutzen einer primärpräventiven Rekanalisation gegenüber einer rein konservativen Therapie.
Die DSC betont in ihrer Mitteilung, es handele sich um zwei parallellaufende randomisierte Studien: eine mit konservativer Therapie („best medical treatment“, BMT) versus BMT plus Carotis-Stenting sowie eine vergleichbare Untersuchung mit BMT versus Carotisendarteriektomie. Insgesamt wurden 2.485 Personen in Zentren in den USA, Kanada, Australien, Israel und Spanien eingeschlossen.
Nach Angaben der DSG lag die 4-Jahres-Rate primärer Endpunktereignisse in der BMT-Gruppe der Stent-Studie bei 6,0 %, während sie in der Interventionsgruppe 2,8 % betrug. In der CEA-Studie zeigte sich eine Reduktion von 5,3 % auf 3,7 %, die jedoch nicht statistisch signifikant war. Der periprozedurale Risikoanteil lag mit 1,3 % (CAS) beziehungsweise 1,5 % (CEA) im niedrigen Bereich.
Gleichzeitig weist die Fachgesellschaft darauf hin, dass die signifikanten Unterschiede auf sehr wenigen Ereignissen beruhen. Die Autoren hätten „selber darauf hingewiesen, dass nur sehr wenige Ereignisse den Unterschied ausgemacht haben“. So hätten in der CAS-Studie bereits vier weniger aufgetretene Ereignisse die Signifikanz aufgehoben.
CREST-2 liefert wichtige Evidenz – aber keine pauschale Interventionsindikation. Entscheidungsgrundlage bleibt das individuelle Schlaganfallrisiko, Stenting ist in erfahrenen Zentren eine gleichwertige Alternative zur Operation.
Die Fachgesellschaft stellt ausdrücklich klar, dass die Ergebnisse nicht bedeuten, dass alle asymptomatischen Patientinnen und Patienten mit hochgradiger Carotisstenose interventionell behandelt werden sollten. Ohne Zweifel sei CREST-2 eine „wegweisende Studie“, die Evidenz für den interventionellen Ansatz stärke – dennoch bleibe die Indikationsstellung streng individuell.
Vor allem leichte ipsilaterale Schlaganfälle seien verhindert worden, während die Mortalität in allen Armen deutlich höher lag als die Rate primärer Endpunkte. Die DSG hebt zudem hervor, dass die BMT-Gruppen je nach Geschlecht unterschiedliche Risikoprofile zeigten.
Bedeutung für Zentren und Praxis
Für die klinische Versorgung betont die Fachgesellschaft, dass weiterhin anhand definierter klinischer Kriterien – unter anderem Stenoseprogression, stumme Infarkte, reduzierte zerebrovaskuläre Reserve oder embolische Signale – jene Patientinnen und Patienten zu identifizieren seien, die von einer Intervention tatsächlich profitieren.
Besonders wichtig sei laut Stellungnahme, dass ein Stenting in erfahrenen Zentren „eine mindestens gleichwertige Alternative“ zur Operation darstellt. Dies decke sich mit den Ergebnissen der bundesweiten Qualitätssicherung.






